Bargeldlos zur CeBIT 2017

Mein erstes Mal ist schon eine ganze Weile her: Anno 1992 war ich zum ersten Mal auf der CeBIT als Gast. Mein erstes Mal als Unteraussteller war 1993 am Stand von ZyXEL Communications. Zur Hochzeit der damals noch nicht Post/BZT-zugelassenen Modems mit denen man sich in privaten Mailboxen einwählen konnte. Ich habe also quasi das Ende des Postmonopols und den Start der digitalen Mobilfunknetze D1 und D2 hautnah miterlebt.

Schon zu der Zeit war ich kein Freund von Bargeld und glücklich darüber, dass man in den Messerestaurants mit Kreditkarte bezahlen konnte. Leider war das in den frühen 1990ern an den vielen Wurstständen, Snackbars und Eisständen noch nicht möglich.

Inzwischen sind 25 Jahre vergangen. Die NFC-Welle rollt über unser Land und selbst die sonst so zurückhaltenden Discounter sind Apple Pay-ready. Man sollte meinen, dass dies auch seine Spuren auf der Welt größten ITK-Messe hinterlassen hätte. Aber lest selbst.

Die Anreise

Wie üblich habe ich die Reise mit der Bahn angetreten. Während zu Anfang des Jahrtausends schon drei Monate vorher nicht mehr an eine Sitzplatzreservierung zu Messezeiten zu denken war, sieht das anno 2017 anders aus. Selbst vier Wochen vor dem Reisedatum waren noch Sparpreise erhältlich. Für die Fahrt in der 1. Klasse (Hin mit dem IC2 und zurück mit einem ICE) habe ich knapp 75€ bezahlt. Das kann sich sehen lassen.

Mein Frühstück habe ich wie immer bei REWE To Go im Kölner Hauptbahnhof gekauft. Im IC2 gibt es nämlich nur einen Am-Platz-Service der auf Bargeld besteht. Am Montag kam noch hinzu, dass die Experten es nicht einmal geschafft haben, Kaffee zu liefern. Wohl dem, der vorgesorgt hat.

Da mein Ticket lediglich bis Hannover Hbf galt, tat sich hier die erste Falle auf. CeBIT-Tickets gelten wohl seit einigen Jahren nicht mehr automatisch als Ticket für den ÖPNV im Großraum Hannover. Mit der City-Ticket-Funktion des Fernverkehrstickets kann man aber lediglich die U-Bahn 8/18 zur Messe Nord nehmen. Wer sich also in einen Metronom zum Messebahnhof Laatzen setzt, fährt schwarz.

Die Automaten der Üstra akzeptieren übrigens immer noch nur die deutsche girocard und GeldKarte. Für eine Messestadt ist das mehr als peinlich. Aber Düsseldorf ist da ja auch keinen Deut besser.

Die Bahnen waren angenehm leer und es gab auch keinerlei Schlange am Eingang. Das sah vor einigen Jahren noch ganz anders aus. Aber bei einem Rückgang von 800.000 Besuchern im Rekordjahr 2001 auf jetzt erwartete 200.000 Besucher auch kein Wunder.

Auf dem Messegelände

Mit erster Besuch führte mich zum Stand von SecuSmart, der BlackBerry-Tochter die unsere Kanzlerin mit einem speziell gesicherten BlackBerry Q10 ausgestattet hat. Kollegen meiner Firma GFI haben dort am Montag und Dienstag interessierten Kunden Rede und Antwort zu den BlackBerry-Softwarelösungen gestanden.

Auf dem Weg dorthin hieß es natürlich: Augen offen halten.

Sowohl auf dem Außengelände als auch in den Hallen waren an den Verkaufsständen leider keinerlei Akzeptanzsticker zu sehen. Neben den Registrierkassen waren auch keine Kartenterminals zu sehen.

Mit Ausnahme eines „Healthy-Food“-Stands in Halle 11, dort wo sich viele Startups präsentierten, waren Kartenterminals nur in den Restaurants zu finden.

Damit hat sich gegenüber 1992 eigentlich so gut wie nichts verändert. Immerhin ließ sich in der Pizzeria an Halle 14 kontaktlos mit Apple Pay bezahlen. Das Essen war lecker und preislich völlig im Rahmen.

Besonders positiv zu erwähnen: Ich habe den Bewirtungsbeleg irgendwo auf dem Messegelände verloren. Meine E-Mail-Anfrage mit den Kartenzahlungs- und Produktdaten wurde von der Catering-Firma der Messe prompt beantwortet. Bereits am frühen Morgen erhielt ich ein PDF mit einer Belegkopie. Das nenne ich wirklich mal 1a Service!

Nach einigen weiteren Standbesuchen habe ich mich mit Juliane und David von MasterCard in besagter Halle 11 zum Kaffee getroffen. Es ist immer wieder schön, Menschen die man sonst nur von angeregten Twitter-Diskussionen kennt, im echten Leben zu treffen. Und beschäftigte natürlich die Frage, wie es mit Payment in den nächsten Jahren weiter geht und welche besonderen Herausforderungen wir in Deutschland noch zu bewältigen haben.

Vertane Chance

Die CeBIT war immer die Leitmesse für IT und Kommunikation und das Aushängeschild für den Technologiestandort Deutschland. Auch Akquirer sowie die Hersteller von Kartenterminals und Online-Payment-Lösungen waren früher immer mit großen Ständen vertreten.

Wo, wenn nicht nicht hier, sollte man eigentlich mit gutem Beispiel voran gehen?

Es ist schon klar, dass für die überschaubare Anzahl von Messetagen nicht für jeden Eisstand ein Verifone H5000 gekauft oder dauerhaft gemietet werden kann. Genau hierfür wurden aber die Einfachterminals entwickelt, die es von Concardis, iZettle und Co. ohne Grundgebühr für kleines Geld zu kaufen gibt. Bei den Margen sollten die 0,95%-2,7% absolut keine Rolle spielen. Und wenn doch, können das Magnum oder die Bratwurst gerne 10 Cent teurer werden. Auf der Messe achtet da eh niemand drauf.

Weiterhin frage ich mich, wieso es problemlos möglich ist, vom kompletten Messestand, bis hin zur Kaffeemaschine und Zierpflanzen alles für die fünf Tage mieten zu können. Nur  bei Kartenterminals scheint dies immer ein Problem zu sein.

Wo sind die Akquirer oder sogar die Schemes mit entsprechenden Angeboten? Es kann doch nicht so schwer sein, für solche Events mal 100-200 aktuelle Terminals auf Lager zu halten und so Werbung in eigener Sache zu betreiben. Ich gehe sogar soweit, dass man im Grunde auch auf sämtliche Interchange- und Technikgebühren verzichten sollte und den Käufern darüberhinaus 5-10% Rabatt auf die gekauften Artikel gewähren oder aber auf die Bargeldakzeptanz komplett verzichten sollte.

Auf einer Messe für Fachpublikum wird sich sicherlich niemand finden, der nicht mindestens eine girocard im Gepäck hat.

Die Rückfahrt

Zum Schluss wurde es noch mal ein wenig hektisch, da ich noch meinen Mantel in Halle 6 abholen durfte. Aber ich habe es dennoch pünktlich zum Hauptbahnhof geschafft.

Auf den Bahnsteigen stehen immer noch die von GEILE Warenautomaten betriebenen Snackautomaten mit girogo-Akzeptanz. Der Bezahlprozess hat dort nie, wie auf dem Automaten beschrieben, funktioniert. Statt „Select, Tap, Go“ musste man „Tap, Select, Tap, Go“ machen. Auch nur etwas für Eingeweihte. Auf den Hinweis der falschen Anleitung und der vom Kartensensor nicht abgeschliffenen MasterCard und VISA-Logos hat GEILE nie geantwortet. Das kennt man aber von Selecta in Deutschland auch. Ganz anders die Schweizer!

Die Automaten funktionieren allerdings, wie einige andere auch, nicht mehr mit den neuen Sparkassen-Karten mit girocard kontaktlos und girogo auf einer Karte. Ich habe das im November gemeldet und es sollte eigentlich kurzfristig behoben werden. Leider Fehlanzeige. Aber nun gut: girogo ist eh tot und die GEILE Automaten werden bundesweit eh sukzessive von Selecta-Automaten abgelöst.

Der Zug lief pünktlich in Hannover ein. Zeit, für einen Kaffee aus dem BordRestaurant, der mir an den Platz gebracht wurde. Leider musste ich hierfür meine MasterCard aus der Hand geben. Eigentlich ein No-Go aber die Bahn ist da einfach noch nicht soweit.

 

 

5 Gedanken zu “Bargeldlos zur CeBIT 2017

  1. In einem Video von Heise welches von der Cebit gesendet wurde, habe ich eine sehr schöne Erklärung für technischen Rückstand in Deutschland gehört. In diesem Beitrag wurde die Frage diskutiert, warum es in Deutschland ein so schlecht ausgebautes Glasfasernetzt gibt. Neben natürlich vielen anderen Gründen ist der Leidensdruck der Menschen einfach nicht groß genug und der Bedarf nicht da. Wenn sogar IT-Manager mit 16 Mbit zufrieden sind und nicht für mehr bezahlen wollen, bewegt sich der Markt nicht.

    Das lässt sich auch sehr gut auf kontaktloses Zahlen und Mobile Payment übertragen. Wenn man an jeder Ecke und in jedem Supermarkt bequem an Bargeld kommt, warum sollte man was neues moderneres ausprobieren und sich mit dem Thema beschäftigen? Der Leidensdruck ist nicht groß genug.

    In allen Medien wird immer wieder angeprangert, wie langsam das Internet in Deutschland ist. Die Mehrheit der Bevölkerung ist das egal. Wir Bargeldlos-Fans regen uns immer wieder über die fehlende Kartenakzeptanz auf. Die Mehrheit der Bevölkerung kann unser Problem nicht nachvollziehen und guckt und blöd an.

    Gefällt 1 Person

    1. Die These klingt gut, hat aber einen kleinen Mangel: Es ist in Deutschland keineswegs so einfach, an Bargeld zu kommen, wie beispielsweise in England oder Finnland. Sowohl in GB als auch in FI ist *ein* flächendeckendes Geldautomatennetz vorhanden. Eine Abhebung kostet die Einheimischen in aller Regel nichts, auch wenn sie bei einer Fremdbank sind. So einen Mist wie „DKB aussperren“ gibt es nicht. Dennoch sehr gute Kartenakzeptanz.

      Man könnte von Leidensdruck, aber auch von fehlenden Anreizen sprechen. Und seien es die paar Prozent Cashback, die die TSB Bank UK (im Rahmen einer zeitlich begrenzten Aktion) anbietet, wenn jemand kontaktlos zahlt. In England hat man eine verursachergerechtere Bepreisung von Bankdienstleistungen im Verhältnis Bargeldhandhabung vs. elektronisches Bezahlen. In Deutschland wird das Bargeld für die Händler (nicht die Fremd-Kunden!) künstlich billig gehalten und die Kosten ungerechtfertigterweise dem EFT auferlegt. Auf diese seltsame Art schaffen sich Filialbanken Existenzgrundlagen.

      „Die Leute wollen das so“ ist auch ein Aspekt, aber m.E. nur einer von mehreren. Wie es spitze Zungen mal formulierten, Ostdeutsche können nicht vom Affen abstammen, die hätten es nicht Jahrzehnte ohne Bananen ausgehalten. Gerade auf dem Land oder in suburbanen Lagen, wo man eben nicht an jeder Ecke einen Geldautomaten hat und auch nicht jeder Direktbankkunde ist, ist die Kartenakzeptanz oft schlecht. Und dennoch gilt es oft als unanständig, als seltsam, wenn man das verlangt, was technisch möglich ist, derjenige hat sich dann gefälligst zu rechtfertigen. (Was zu seltsamen Erscheinungen führt: sonntags sind die Läden zu, aber wer bei Amazon kauft, der wird dann auch gegeißelt. Das ist ein Widerspruch in sich.)

      Die größte Stärke und Schwäche der deutschen Mentalität zugleich ist, dass man sich mit Zuständen arrangiert. Die Unterscheidung zwischen Naturkatastrophe und menschengemachter Einschränkung hat man in dieser Gesellschaft aber großflächig nicht gelernt und handelt dementsprechend in vielen Aspekten falsch.

      Gefällt 1 Person

      1. (Und bevor ich als Verschwörungstheoretiker gelte: Mateusz Grzesiak, Psychologe und Coach, hat die „reaktive“ Mentalität in Bezug auf sein Heimatland Polen diskutiert. http://mateuszgrzesiak.us/5-character-features-of-polish-mentality-which-limit-our-potential/

        Die Subventionierung von Bargeld wurde in Irland auch von dortigen Zentralbankern bemängelt, wo ein nationaler Zahlungsentwicklungsplan 2013-15 zu einer massiven Veränderung im Verbraucherverhalten führte. Die irische Regierung wollte als Vorbild für Verbraucher und Unternehmer vorangehen und Bargeld und Schecks großflächig durch Kartenzahlungen und Überweisungen ersetzen. http://www.chyp.com/taxi-for-cash/ )

        Gefällt mir

      2. Es gibt ganz klar viele Gründe für die aktuelle Situation, die auch häufig diskutiert werden. Geschichtlicher Hintergrund der Deutschen, nationales Kartensystem statt Visa und Mastercard, zu hohe Kosten usw. Ob die Versorgung mit Bargeld wirklich schlechter ist, als in anderen Ländern, kann ich schwer einschätzen. Aber klar ist, dass man mit Bargeld überall einkaufen kann, was mit Karten so nicht möglich ist. Deshalb ist es insgesamt noch einfacher mit Bargeld. Ich könnte ehlicherweise niemandem empfehlen, nur mit Kreditkarten zu zahlen, wie ich das mache. Ist zu anstrengend.

        Den Aspekt Leidensdruck habe ich so noch nicht gehört, deshalb fand ich das ganz interessant. Dazu passt dann auch die Subventionierung von Bargeld, die den Menschen nicht gerade dazu veranlasst, nach besseren und gesamtgesellschaftlich günstigeren Alternativen ausschau zu halten.

        Gefällt mir

      3. Es gibt ja sogar gewisse Institute, bei denen jeder Buchungsposten 40 Cent kostet, die Barabhebung aber nichts: https://www.sparkasse-am-niederrhein.de/privatkunden/konten_karten/Privat_Girokonto_classic/Details/index.php?n=%2Fprivatkunden%2Fkonten_karten%2Fprivat_girokonto_classic%2Fdetails_privat_girokonto_classic%2F

        Diese Sparkasse bietet auch noch einen Bargeld-Kurierservice an, für 5 Euro pro Transaktion, für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

        Wo man in Schweden oder Finnland vielleicht gesagt hätte, dann zahlt ihr in der Provinz halt besser mit Karte, wird man in Aluhutland eher „Wir sind nicht eure Versuchskaninchen“ brüllen.

        Kann so etwas überhaupt rentabel sein, frage ich mich, und auch, wieso dann diejenigen Nutzer bestraft werden, die sich eigentlich effizienter verhalten.

        Letztlich trage ich in Deutschland immer mindestens drei Bankkarten mit mir (z.B. Visa Credit, reines Maestro, girocard), sehr oft kommt die Barclaycard Maestro zum Einsatz.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s