yomo – Ich bin raus!

Ich war von der Idee einiger Sparkassen, zusammen mit den Kunden, ein neues Kontoprodukt zu entwickeln sehr angetan. Den Ankündigungen zu Folge sollte es gegen N26 positioniert werden und durch eine kostenlose Basisversion junge Kunden davon abhalten, direkt nach Ende der Ausbildung (in der Sparkassen-Konten in der Regel kostenlos geführt werden) zu einem der vielen Wettbewerber abzuwandern.

Die Idee, mit dem Marktführer girocard an den Start zu gehen, fand ich zunächst recht schlüssig. Mit einer girocard in Kombination mit Maestro ist man zumindest im Euro-Raum sehr gut aufgestellt. Zahlungen in Fremdwährungen werden aber teilweise mit Postengebühren ab 77 Cent bestraft, so dass selbst der für Dresdner yomo-User nicht ungewöhnliche Abstecher nach Tschechien oder Polen unangenehm teuer werden kann. Insbesondere, wenn man bedenkt dass eine Strassenbahnfahrkarte in Breslau um die 70 Cent kostet.

Bereits die Art und Weise, wie die Kontoeröffnung funktioniert, schreckt ab. Die zehn beteiligten Sparkassen haben teilweise stark abweichende Gebühren bei der Nutzung von Debit- und Kreditkarten im Ausland. Man stelle sich mal vor, dass irgendwann jede deutsche Sparkasse yomo anbietet und man sich durch die Preis- und Leistungsverzeichnisse von aktuell 396 Instituten quälen darf. Nein Danke!

Jetzt kann man natürlich sagen: Wen interessieren schon Fremdwährungen. Die meisten sind froh, einmal im Jahr nach Mallorca fliegen zu dürfen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass sowohl N26 als auch Fidor und sogar die zur Sparkassengruppe indirekt dazu gehörende DKB ohne Aufschlag operieren. Die DKB hat, völlig konträr zu restlichen Marktentwicklung, diesen Schritt erst im letzten Jahr gewagt weil offenbar ein Bedarf da war.

Beim Anspruch, ein modernes Kontoprodukt zu liefern, darf mit der girocard nicht Schluss sein. Auf Twitter wurden die User gefragt, was sie sich denn für weitere Produkte (MasterCard oder VISA, Debit oder Credit) wünschen und welche Funktionen die App bereitstellen soll. Weiterhin wurden User eingeladen, ihre Wünsche an das yomo-Team zu senden. Ich habe dies bspw. in einem Blog-Beitrag getan.

Viele Tester forderten ein öffentliches Forum zum Austausch. Damit hat man sich lange Zeit sehr schwer getan. Auf Eigeninitiative einiger Tester wurde dann irgendwann eine Möglichkeit zum Austausch per Slack geschaffen. Leider findet die Kommunikation dort zum größten Teil zwischen den Testern statt. Insbesondere dann, wenn es um die Zukunft des Produkts geht.

Bis heute gibt es keine öffentliche Roadmap, was die Tester denn noch so erwarten können. Statt klarer Ansagen wurde die Entwicklung eines Type-Ahead-Feldes zur Ergänzung von Empfängernamen und IBAN per Instagram-Story gefeiert. Die Funktion ist übrigens noch nicht in der aktuellen App-Version enthalten.

Nachdem ich das Thema jetzt schon einige Monate verfolge und seit April auch den aktuellen Stand testen konnte, steht mein Entschluss jedoch fest: Ich breche den Test ab.

Abgesehen von den immer noch präsenten technischen Unzulänglichkeiten wie einer zeitweise fehlerhaften Anzeige von Saldo und Buchungsposten, fehlt mir einfach die Perspektive.

Wenn ich ein Produkt entwickle, muss ich mich zwischen Innovation und „Me, too“ entscheiden. Möchte ich einem im Markt eingeführten Wettbewerber etwas entgegensetzen, so kommt es darauf an, in möglichst kurzer Zeit ein vergleichbares oder idealerweise besseres Produkt auf die Beine zu stellen. Das ist eindeutig nicht gelungen. Aktuell bietet yomo nur einen Bruchteil der Funktionen, die man als Sparkassenkunde von seinem bisherigen Konto kennt. Eine international und online einsetzbare Debit Mastercard ist nicht vorhanden. Selbst Paydirekt als „Alternative“ im Versandhandel lässt sich nicht nutzen. Hier schickt man den Kunden direkt zu PayPal, denen man ja eigentlich auch etwas entgegensetzen wollte.

Habe ich den Anspruch, etwas Innovatives zu schaffen, darf meine erste Amtshandlung aber auch nicht darin bestehen, mich den Restriktionen vorhandener IT-Systeme zu unterwerfen, die mein Vorhaben evtl. erschweren und wo es gilt, als erstes einmal Schnittstellen zu schaffen, die möglicherweise fehleranfällig sind.

Weiterhin muss die Kommunikation mit Kunden und Testern, offen stattfinden. Ich habe so das Gefühl, dass jegliche Aussage des yomo-Teams zuvor mit sämtlichen 396 Sparkassenvorständen abgestimmt werden muss. So kann das natürlich nicht funktionieren.

Ich sehe aktuell weder eine Strategie hinter, noch eine Zukunft für yomo.

Ich kann den Sparkassen daher nur raten, die Konfrontation mit dem Kartellamt zu suchen und ein bundesweit einheitliches Basiskontomodell zu schaffen, das für den Nutzer kostenlos ist. Es sollte neben der girocard eine kostengünstige Debitkarte von MasterCard oder VISA geben, die direkt mit dem Konto verbunden und ohne Bonitätsprüfung ausgegeben wird.

Aus der Kombination der Stärken der Sparkassen (Filialdichte, persönliche Ansprechpartner, erstklassiges Online- und App-Angebot, Vertrauen bei den Kunden in die Marke) lässt sich mehr herausholen als über den Versuch mit einem abgespeckten App-Konto gegen ein Startup wie N26 anzutreten, welches sich durch regelmäßige technische und kommunikative Pannen ständig selbst ins Knie schießt.

 

 

 

 

3 Gedanken zu “yomo – Ich bin raus!

  1. Sehr gute Zusammenfassung und Einschätzung.

    Ich habe nie verstanden, warum man eine neue App mit kaum Funktionen entwickelt, wo es doch richtig gute und funktionsreiche Apps (sogar für Windows Phone) gibt.

    Es ist für viele Unternehmen schwierig, innovative Produkte in der gleichen Organisation zu entwickeln, weil immer darauf Rücksicht genommen werden muss, dem ertragreichen Kerngeschäft keine Konkurrenz zu machen. Da hat es N26 natürlich wesentlich einfacher.

    Yomo ist für mich eine reine Panikreaktion auf N26. Unter diesen Umständen werden häufig keine guten Entscheidungen getroffen, wie man hier wieder sieht. Die Sparkassen hätten lieber nicht so heftig an der Gebührenschraube gedreht und Innovationen wie kontaktlose Kreditkarten bewusst zurückgehalten. Dann gäbe es (für mich) keinen Grund, von einer zuverlässigen Sparkassen-Infrastruktur zu Banken mit schlechtem und kompliziertem Onlinebanking zu wechseln.

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