Bereits seit geraumer Zeit ist es in den Stadtverkehren Belgiens möglich, mit einer Trägerkarte namens MOBIB zu reisen. Auf diese Karte lassen sich sowohl Abonnements als auch Fahrkarten des typischen Barsortiments wie Einzeltickets oder Tageskarten laden. Dies geschieht über Automaten oder den Webshop einer der drei Nahverkehrsbetreiber des Landes. Ja, ihr habt richtig gelesen. Ganz Belgien kommt neben der staatlichen Eisenbahngesellschaft NMBS mit drei Verkehrsbetrieben aus. Dies sind TEC (Wallonien und die deutschsprachige Gemeinschaft um Eupen), De Lijn (Flandern) und MIVB für Brüssel.
Im Frühjahr 2020 wurde die legendäre Kusttram zwischen Panne und De Knokke mit einem „Account Based Ticketing“-System auf Basis von Debit- und Kreditkarten ausgestattet. Eigentlich wollte ich dieses natürlich sofort testen, dann kam aber die Covid-Pandemie dazwischen.
Inzwischen sind nicht nur sechs Jahre vergangen, sondern das System wurde auch auf andere Städte in Flandern, sowie der Hauptstadt Brüssel ausgerollt. *) Die Teilnahme an der diesjährigen Engage-Konferenz in Gent gab mir dann endlich den Anlass, auch dieses System einmal für Euch zu testen.
Ticketverkauf bei De Lijn
Trotz des kontaktlosen Ticketingsystems gibt es weiterhin an vielen Haltestellen klassische Fahrkartenautomaten. Darüber hinaus lassen sich viele Tickets auch im Webshop von De Lijn oder via SMS beziehen. Aber Achtung: Papiertickets aus dem Automaten oder im Webshop gekaufte Tickets müssen beim Einstieg aktiviert werden. Es gelten auch unterschiedliche Regeln bzgl. Gültigkeitsdauer und Umstiegsmöglichkeiten. Mehr Infos zu den einzelnen Ticketarten und Regeln findet ihr hier.
Kontaktloser Verkauf im Fahrzeug
Beim Einstieg ins Fahrzeug hält man seine Debit- oder Kreditkarte resp. das Smartphone einfach an den weißen Leser. Damit erwirbt man eine einfache Fahrt zu aktuell 3€. Das Ticket ist 60 Minuten oder bis zum Ende der Fahrt der gültig. Beim Umstieg muss wiederum eingecheckt werden. Befindet man sich noch innerhalb des 60-Minutenfensters, so wird kein weiterer Kauf fällig. Mit der selben Karte lassen sich bis zu fünf Fahrkarten erwerben, indem man die gleiche Karte erneut vor den Leser hält. Beim Umstieg muss ebenfalls für jeden Mitfahrenden erneut eingecheckt werden. De Lijn kappt die täglichen Fahrten beim Betrag für eine Tageskarte.
Das erfolgreiche Ausstellen eines Tickets erkennt man an einem grünen Haken im Display. Hat der Kauf nicht funktioniert, so sehr ihr ein großes rotes Kreuz im Display.
In den Trams in Gent finden sich beide Arten von Kartenlesern im ganzen Fahrzeug verteilt. In den Bussen gibt es das weiße Terminal meist nur vorne beim Fahrer, wohingegen ein gelbes Terminal häufig auch in der Fahrzeugmitte zu finden ist.
Unterstützt werden folgende Kartenschemes: Visa, V PAY, Mastercard und Maestro. Die Leser akzeptieren keine American Express-Karten. Ebenfalls nicht erwähnt wird das nationale Debit-Scheme bancontact welches mit unserer girocard vergleichbar ist.
Fahrtübersicht und Quittungen
Wie bei Account Based Ticketing-Lösungen üblich, erhält man keinen ausgedruckten Ticketnachweis. Wer für die Reisekostenabrechnung etwas schriftlich benötigt, der muss sich die Nachweise auf der Webseite des jeweiligen Betreibers herunterladen. Bei DeLijn funktioniert dies per Browser auf einer Webseite.
Hier kann man wahlweise unter Angabe des Codes von der Abbuchung (acht Zeichen, die bei jeder Abbuchung mit der gleichen Karte unverändert bleiben) oder der Kartennummer eine Übersicht anfordern. Aber Achtung: Letztere Option funktioniert nur mit der physischen Karte und erfordert die „Freigabe zukünftiger Bezahlungen“ in der Banking-App. Die Aufmachung der Webseite in Form eines Bezahldialogs und der irreführende Text wirken nicht wirklich vertrauensfördernd.
Findet das System keine Daten, so äußert sich das dadurch, dass die Ladeanzeige der Seite einfach endlos weiterläuft:
Insofern man die Daten korrekt eingegeben hat, erhält man eine Übersicht der erfolgten Reisen und Bezahlungen. Was leider so überhaupt nicht funktioniert, ist ein vernünftiger Ausdruck der Belege. Hier hat der zuständige Webentwickler schlichtweg geschlafen und ein CSS gebaut, welches die recht kompakten Abschnitte auf zig Seiten verteilt. Meine Lösung war dann auch das manuelle Kopieren des Inhalts nach Word und manuelles Formattieren.
Probleme mit der (digitalen) SparkassenCard
Wie bei ABT-Systemen üblich, wird aus Geschwindigkeitsgründen das Auslesen der Karte und die Abbuchung von einander getrennt. Im ersten Schritt wird die Kartennummer ausgelesen und mit einer internen Sperrliste verglichen. Erst danach findet eine Autorisierung des Ticketbetrags statt.
Mein erster Checkin mit der SparkassenCard via Apple Pay (Debit Mastercard + girocard) verlief erfolgreich. Es war allerdings keine Vormerkung auf dem Konto sichtbar. Beim zweiten Checkin erschien dann auch das obene beschriebene rote Kreuz. Versuche an weiteren Lesern bestätigten dann auch die Sperre der Karte im System. Von weiteren Versuchen mit der Plastikkarte habe ich abgesehen.
Fazit
Für Gelegenheitsnutzer ist ein solches System ideal, da man sich weder mit den Tarifgegebenheiten noch irgendwelchen Apps herumschlagen muss. Das Webportal sollte aber dringend dahingehend nachgebessert werden, dass man sich einfach Belege für die Reisekostenabrechnung herunterladen kann.
*) Situation in Wallonien
In einer früheren Version dieses Artikels schrieb ich, dass dieses System auch bei TEC in Wallonien verfügbar sei. Dies habe ich aufgrund eines Hinweises einer Userin aus dem Fediverse geändert. Die Fehlinformation kam durch eine halluzinierende KI zustande. Tja…

