Dass Smartphones längt viele andere Geräte obsolet gemacht haben ist nichts Neues. MP3-Player, Radio, Navigationssystem und teils auch Spielkonsolen wurden von den kleinen Alleskönnern längst verdrängt. Nachdem das Bezahlen mit dem Smartphone inzwischen auch in Deutschland zum Alltag gehört, findet man Smartphones inzwischen auch „auf der anderen Seite“ der Theke, sprich als Kartenterminal.
Ich glaube es war 2018 als ich das erste Mal in einem Nike Store in London meine gekauften Schuhe direkt an einem Handheld der Verkäuferin bezahlt habe. Mit diesem Gerät hat sie nicht nur den Lagerbestand in meiner Größe geprüft und den Verkauf abgewickelt, sondern gleich auch kontaktlos kassiert.
Seit geraumer Zeit gibt es auch in Deutschland Anbieter, die zunächst für Android und inzwischen auch für iPhone entsprechende Payment-Lösungen anbieten. Neben den Sparkassen und dem Joint Venture aus Commerzbank und GlobalPayments ist natürlich auch SumUp mit dabei. Einen kurzen Testbericht findet ihr hier.
In der Vermarktung wurden solche Lösungen fast immer im SMB-Bereich positioniert. Der Verzicht auf eigene Hardware, die es aber seit Jahren zu Kampfpreisen um die 20€ auch im MediaMarkt zum Mitnehmen gibt, sollte die berühmten weißen Flecken bei der Kartenakzeptanz abdecken. Marktstände, Handwerker, Food-Trucks, kleine Taxibetriebe. Allerdings muss man dazu sagen, dass im Jahre 2026 der Verzicht auf Kartenakzeptanz i.d.R. nicht mehr Ausdruck von mangelndem Wissen um die Kosten, fehlendem Bewusstsein für Kundenbedürfnisse oder technische Unkenntnis ist, sondern eine bewusste Entscheidung gegen das bargeldlose Bezahlen.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Tap to Pay on iPhone & Co. an den angesprochenen Stellen in Deutschland selten antreffen lassen. Wieso sollte eine App auch etwas auslösen, was ein 20€-Terminal ohne Vertragsbindung nicht geschafft hat.
Und plötzlich sieht man sie doch
Wer nun aber dachte, dass das Thema damit erledigt sei, der irrt. In der deutschen Gastronomie hat längst ein Umbruch stattgefunden. Harter Wettbewerb um Gäste und Personal haben dafür gesorgt, dass auch in Sachen Bestellen und Bezahlen Effizienzsteigerungen erreicht werden mussten. So gehört das Smartphone mit Software zur Bestellaufnahme längst zum Alltag. Immer mehr Gastronomen setzen zusätzlich auch auf QR-Codes an den Tischen, die auf ein Bestellsystem verweisen. So lässt sich prima noch eine weitere Runde Getränke oder Deserts verkaufen. Umsatz, den man u.U. nicht realisiert hätte weil der Tisch in der hinteren Ecke gerade mal nicht im Blickfeld lag.
Beim Bezahlen sieht es ähnlich aus. Mussten Gäste früher darauf warten, dass der für sie zuständige Kellner gerade das einzige Kartenterminal vom Kollegen übernehmen konnte oder gar mit zur Theke zum Bezahlen kommen, so ist es in vielen Läden seit Längerem Usus dass jeder Kellner ein eigenes kleines mPOS-Terminal in der Tasche hat.
Von dort war es aber nur ein kleiner Schritt hin zur kompletten SoftPOS-Lösung. Neben Franchise-Betrieben wie L’Osteria setzen aber auch unabhängige Kneipen inzwischen auf Tap to Pay on iPhone. Es vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht mein iPhone gegen das Smartphone eines Kellners halten darf.
Der logische nächste Schritt
Lange wurde Bezahlen nur als notwendiges Übel betrachtet. Genau so sah das Erlebnis am POS dann auch aus: Suche nach Wechselgeld und langsame Kartenterminals die gefühlt mit einem 20 Jahre alten Modem versuchten eine Verbindung aufzunehmen. Kontaktlose Debit- und Kreditkarten in Verbindung mit besserer Anbindung der Terminals brachten hier erstmal Bewegung. Plötzlich wurde es cool, den Kaffee auf dem Weg zum Bahnhof mit einem Tap zu bezahlen.
Wer aber einmal damit angefangen hat zu optimieren, der wird früher oder später auch bei Tap to Pay angelangen. Nichts gegen mPOS-Terminals per se. Sie machen bei vielen Setups durchaus Sinn, aber gerade im mobilen Verkauf ist jedes zusätzliche Gerät einfach eines zu viel. mPOS-Terminals werden per Bluetooth mit einem Smartphone oder Tablet gekoppelt. Werden die Geräte im Schichtdienst mit verschiedenen Endgeräten genutzt, gibt es häufig Schwierigkeiten. Die Mitarbeiter im Bordservice der DB können ein Lied davon singen. Darüber hinaus lassen sich Smartphone-Bildschirme wesentlich einfacher und sicherer reinigen als so eine kleine Box die den ganzen Tag mit fettigen Fingern von Gästen in Berührung kommt.
Smartphones bieten darüber hinaus weitere Vorteile: Neben der schnellen Verfügbarkeit von Zubehör wie bspw. Powerbanks und Schutzhüllen ist, lässt sich auch die Einrichtung und Verwaltung mit gängigen Mobile Device Management-Systemen zentralisieren.
Fazit
Auch wenn SoftPOS bislang nicht zum „Cash only“-Killer geworden ist, hat die Technologie ihre Daseinsberechtigung. Reduktion von Komplexität und Verkürzung von Ausfallzeiten sind gewichtige Argumente. Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft wesentlich häufiger solchen Apps begegnen werden.

