„Mit Karte bitte“ heißt nicht mehr unbedingt mit girocard

Wie Kontaktlostechnologie und neue Wettbewerber am Bankenmarkt das Nutzerverhalten verändern

Die girocard als Nachfolgerin der EC-Karte war über viele Jahre die Standardkarte der deutschen Bankkundinnen und Bankkunden. Zu nahezu allen Girokonten wurde eine solche Karte mit ausgegeben. Mit ihr ließ sich bequem Geld am Geldautomaten abheben, Kontoauszüge ziehen oder im Geschäft bezahlen. Wenn man denn wollte. Letztere Möglichkeit kam in der Regel eher für höhere Beträge ab 50€ zum Einsatz.

Mit MasterCard und VISA verband der deutsche Bankkunde seit je her automatisch Kreditkarten. Banken verknüpften teilweise sehr hohe Anforderung an die Bonität des Kunden mit der Ausgabe einer solchen Karte. So verwundert es nicht, dass nur ein kleiner Teil der deutschen Kunden überhaupt eine solche Karte besitzt.

Derjenige, der eine solche Karte besitzt, lässt sich nicht selten in der Schublade verstauben und setzt sie höchstens einmal zur Buchung einer Reise, beim Edelitaliener oder zum Einkauf im Netz ein, wenn es keine andere Bezahlmöglichkeit gibt.

Der Logik folgend, funktionierte auch die Kommunikation der Zahlungsdienstleister in Richtung Handel und Gastronomie. Es galt die Faustregel: girocard muss sein. Ausländische Debitkarten („Maestro“ oder „V-Pay“) sollte ein Händler akzeptieren, der in Grenznähe zu den Benelux-Ländern oder Österreich sein Geschäft betreibt. Kreditkartenakzeptanz wurde stets mit Tourismus und hohen Umsätzen wohlhabender Kunden in Verbindung gebracht.

Soweit so gut. Aber stimmt das heute wirklich noch?

Auf diese Frage kann man nur mit einem klaren „Nein“ antworten, denn bereits seit Jahren steht bei Banken wie der ING-DiBa oder DKB die VISA-Karte im Mittelpunkt. Die ING-DiBa verrechnet Umsätze einzeln mit dem Girokonto und damit handelt es sich bei dieser Karte eigentlich um eine Debitkarte. Bei der Deutschen Bank und der Commerzbank führt man gerade die „Debit MasterCard“ ein, die allen Kunden die Akzeptanzvorteile einer MasterCard bietet.

Junge Internet- oder Smartphone-Banken wie N26, Fidor, Revolut, bunq und Co. verzichten komplett auf die girocard. Hier gibt es in der Regel eine Debit MasterCard oder eine Maestro-Karte zum Konto. Selbst eine der ältesten Online-Banken der Republik, die netbank, hat zum Oktober diesen Jahres alle girocards deaktiviert und durch Debit MasterCard ersetzt.

Wer heute mit dem Smartphone zahlen möchte und Apps wie boon oder SEQR nutzt, verwendet ebenfalls eine virtuelle MasterCard.

Genossenschaftsbanken und Sparkassen haben ihre Kreditkarten inzwischen auch mit der NFC-Technologie ausgestattet, so dass auch die Kunden dieser Institute bequem kleinere Beträge mit Kreditkarte kontaktlos begleichen können.

Was heißt das für den Handel?

Für Handel und Gastronomie bedeutet das, dass eine alleinige Akzeptanz der girocard früher oder später zu Problemen auch mit deutschen Kunden führen wird. Ganz zu schweigen davon, dass Gäste aus dem Ausland in diesem Falle sowieso zu unfreiwilligen Barzahlern würden.

Das kontaktlose Bezahlen kann dort auftrumpfen, wo in kurzer Zeit viele Kunden bedient und abkassiert werden wollen. Neben der Supermarktkasse kommen hier natürlich Bäckereien, Cafés und Fastfood-Restaurants in den Sinn. Aber gerade dort sind die Rechnungsbeträge häufig gering, teilweise sogar unter 2€.

Um Kunden nicht mit Mindestumsätzen und Surcharging (Kosten für Kartenzahlung) verärgern zu müssen, ist es wichtig, dass man sich als Geschäftsinhaber nach geeigneten Zahlungsdienstleistern umschaut. Idealerweise nach solchen, die keine fixe Postengebühr erheben und keine oder nur geringe Unterschiede bei der Bepreisung der Abwicklung der unterschiedlichen Kartenarten machen.