Bargeldlos in Spanien und Frankreich – Ein alternativer und kurzer Reisebericht

Nachdem ich ja in den vergangenen drei Wochen schon diverse soziale Medien mit Fotos von meiner Rundreise zugespammt habe, hier nun eine Zusammenfassung aus Sicht des Bargeldhassers.

Sowohl in Spanien, als auch in Frankreich ist es problemlos möglich, nahezu überall ohne Bargeld klar zu kommen. Problemlos? Na ja, nicht wirklich. Der Teufel steckt auch hier im Detail.

Spanien: Madrid, Toledo, Cordoba, Costa Tropical, Barcelona

Die erste Station meiner Reise war Madrid. Dort habe ich drei Tage, inkl. eines Tagesausflugs nach Toledo, verbracht.

Es fing damit an, dass die Fahrkartenautomaten der Metro Kartenzahlung erst ab 5€ akzeptiert haben. Dies galt auch für die Automaten, die ausschließlich Karten akzeptierten. Erste Überraschung: Eine „echte“ maestro-Karte wurde mehrfach abgelehnt. Dies sollte nicht das einzige Mal in Spanien bleiben. Also musste eine MasterCard herhalten.

Entlang meiner Route über Cordoba (mit drei Tagen Aufenthalt) nach Andalusien konnte ich immer wieder beobachten, dass Händler und Gastronomen neue Terminals mit NFC Funktionalität im Einsatz hatten. Dort, wo neue Terminals verfügbar waren, war die Funktion auch freigeschaltet. Aber auch hier: Maestro wurde in 50% der Fällen mit einer Fehlermeldung abgelehnt, obwohl das Akzeptanzlogo am Eingang hing. So richtig konnte mir das mein Kartenherausgeber (BW-Bank) auch nicht erklären. Jedenfalls trat dieses Problem nicht bei den großen Ketten (Starbucks, McDonalds, H&M auf) sondern neben der Metro Madrid hauptsächlich in der Gastronomie auf.

Derweil gab es auch einige Läden, wo eine girocard der Sparkasse über das Netz von Eufiserv abgewickelt wurde. So ließ sich das maestro-Problem umgehen.

Vielfach hat man auch Sticker von EAPS, EufiServ, EDC oder das alte rot-blaue ec-Logo finden können. Hier wird dem deutschen Kunden signalisiert: Nehmt gefälligst Eure Karte! Und von deutschen Touristen hat es hier richtig gewimmelt.

Die noch im letzten Jahr häufig anzutreffenden Hinweisschilder mit Mindestumsätzen (u.a. bei Lidl!) waren fast überall verschwunden.

Nach knapp zwei Wochen ging es mit einem Hochgeschwindigkeitszug der Renfe weiter nach Barcelona. Einer Stadt, die sich auch als „NFC-City“ bezeichnet.

Die Metro von Barcelona hatte weder Probleme mit Maestro noch erwarteten die Automaten einen Mindestumsatz.

Bei einer Eisdiele wollte man noch mindestens 5€ sehen, dafür aber kontaktlos. Nun gut, bei den heutigen Preisen erreicht man das schnell. So eine Kugel kostet halt keine 20 Pfennig mehr wie in meinen Kindertagen.

In allen Hotels war es problemlos möglich, den Konsum an der Hotelbar auf die Zimmerrechnung zu setzen. Somit entgehen einem weder die Rabatte einer ibis-Business Card noch die Bonuspunkte für diese Umsätze.

Insgesamt ist die Erfahrung was Kartenakzeptanz allgemein, aber auch NFC, angeht in Spanien sehr positiv. Aber auch hier zeigt sich, dass man als Tourist nicht nur auf eine Karte setzen sollte. Die Kombination aus girocard mit maestro oder V-Pay und mindestens einer MasterCard oder VISA ist ein absolutes Muss. Insbesondere dann, wenn die eigene Bank Gebühren für Bargeldbezug im Ausland erhebt. Selbst bei spanischen Sparkassen im EufiServ-Verbund betragen diese nämlich gerne mal 4,50€ oder mehr.

Off-topic noch ein Hinweis: Gerade an Orten mit hohem Touristen-Aufkommen empfiehlt es sich zunächst einmal über Qype, TripAdvisor oder FourSquare passende Lokale zu suchen. Sowohl Qualität als auch Preis variieren stark. In Spanien gibt es weiterhin die Unsitte, dass Preise ohne MwSt. ausgewiesen werden können oder – ungefragt – geliefertes Brot oder labberige Brötchen extra berechnet werden!

Weiter nach Paris

Die Rückfahrt von Barcelona nach Köln, führte mit dem TGV über die französische Hauptstadt Paris. Drei Tage habe ich mir für die Erkundung dieser Stresshölle gegönnt.

Hier ist mir zuerst aufgefallen, dass neben den Logos von VISA und MasterCard hauptsächlich ein blaues „CB“ (Carte Bancaire) anzutreffen war. Dennoch wurden in allen Restaurants, Geschäften und von den Automaten der Pariser Metro sowohl die girocard mit maestro als auch die reine maestro akzeptiert.

Auf der einen Seite sind Mindestumsätze von 15€ keine Seltenheit, genauso häufig findet man aber gerade an Bahnhöfen den Hinweis, dass man alle Karten ab 1€ akzeptiert. Häufig findet man an Bahnhöfen auch Getränke/Snack-Automaten des allseits bekannten Unternehmens Selecta. Hier allerdings mit NFC-Ausrüstung.

All zu schreckhaft sollte man aber als Konsument bei der Nutzung nicht sein. Immerhin reserviert sich ein solcher Automat gerne einmal pauschal 5 bis 15€ beim Kartenherausgeber. Wer nun einen Card Guard bspw. von der Miles&More Kreditkarte aktiv hat, erhält eine SMS oder E-Mail mit dem Betrag, bevor auch nur ansatzweise ein Schokoriegel den Blechautomaten verlassen hat.

Aber apropos NFC: In fast allen Geschäften konnte man aktuelle Terminals – am Häufigsten ingenico ipp350 – antreffen. Allerdings auch zu 95% mit deaktivierter NFC-Funktion, so dass hier lediglich die Vendingautomaten und die Cafés im Gare du Nord ausprobiert werden konnten. Selbst Starbucks und McDonalds verweigern hier die kontaktlose Zahlung.

Das Fazit für Frankreich: Eine girocard mit entweder maestro oder V-Pay reicht in diesem Land zumindest theoretisch. Bei einer Vielzahl von Zahlungen unter 5€ konnte ich keine einzige Zahlungsablehnung oder die Notwendigkeit eines zweiten Zahlungsversuchs feststellen. Aber dennoch sollte man zur Sicherheit immer eine weitere Karte von MasterCard oder VISA dabei haben um auf Nummer sicher zu gehen.

Trinkgeld

Als Kartenzahler stellt sich häufig die Frage, wie man mit Trinkgeld umgehen sollte. Auch in Deutschland ist das immer so eine Sache. Einige Gastronomen wickeln Trinkgelder grundsätzlich nicht bargeldlos ab und bei Anderen, kann man sich nie so sicher sein, ob das Geld auch wirklich bei der Bedienung ankommt.

Sowohl in Spanien als auch in Frankreich ist es üblich, dass die Bedienung das Wechselgeld komplett an den Tisch zurückbringt und der Gast in einem Schälchen oder Kästchen den Obolus am Tisch hinterlässt. Bei Kartenzahlung der Rechnung dann entsprechend einen Betrag nach Wahl, den man in Bar bei sich tragen sollte.

In Spanien liessen sich aber Trinkgelder problemlos per Karte begleichen. Dort ist man mittlerweile auch so an die „Aufrunden“-Methode der deutschen Touristen gewöhnt, dass dies kein Affront mehr darstellt.

Die Franzosen sind da noch etwas eigener. Hier empfiehlt es sich auf jeden Fall, etwas Bargeld mitzuführen. Gerne kann man auch einen Schein bspw. im Hotel wechseln oder man nimmt gleich einen Teil des heimischen Sparschweins mit. Aber Vorsicht: All zu kleine Münzen werden mit Verachtung gestraft und man sollte sich nicht wundern, wieso man am zweiten Abend plötzlich keinen guten oder vielleicht auch gar keinen Tisch mehr erhält!

Grundsätzliche Verhaltensweisen

Ich erspare mir hier einmal die allgemeinen Warnhinweis in Bezug auf Portemonnaies in Gesäßtaschen oder Handys, die man auf einem Tisch vor einem Straßencafé sichtbar liegen lässt.

Persönlich rate ich jedem dazu, mit mindestens drei Zahlungskarten zu verreisen. Also bspw. girocard + MasterCard im Portemonnaie und einer VISA-Karte die im Hotel verbleibt. Das gleiche gilt für Ausweise. Es reicht völlig aus, einen Führerschein mit sich zu führen, während der Personalausweis oder Reisepass mit einer kleinen Barreserve im Hotel deponiert werden sollte.

Sollte der Fall der Fälle eintreten, so steht man nicht völlig mittellos und ohne Papiere in einem fremden Land. Ein 50€ Schein im Hotelsafe erspart einem auch die Notwendigkeit, sich irgendwo Geld für ein Taxi oder den Bus zum Polizeirevier zu leihen.

Wer Fragen oder Anmerkungen zum Thema hat, kann diese gerne als Kommentar posten 😉

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