Immer Ärger mit der Kartenzahlung in Berlin

Wir schreiben das Jahr 2019. Man sollte eigentlich davon ausgehen können, dass in der Hauptstadt der größten Volkswirtschaft innerhalb der Europäischen Union, inzwischen das bargeldlose Bezahlen normal und selbstverständlich geworden ist.

Während die BVG inzwischen die meisten stationären Fahrkartenautomaten selbst mit NFC-Lesern nachgerüstet hat, gibt es immer noch Ärger mit den Taxen. Obwohl die Taxiordnung des Landes Berlin vorschreibt, dass ein funktionsfähiges und mind. drei gängige Kartenarten akzeptierendes Terminal mitzuführen ist und andernfalls keine Personenbeförderung zulässig sei, gibt es immer wieder Ärger. Wie häufig hören Touristen, das Gerät sei gerade defekt, der Akku leider alle oder die Strecke zu kurz, um mit Karte zahlen zu können. Immerhin kontrolliert die Berliner Polizei inzwischen nicht nur die Verbandskästen in den Taxen, sondern prüft auch die Funktionsfähigkeit der Kartenterminals wenn sie Lust dazu hat.

Ein ewiges Ärgernis ist und bleibt die Berliner Gastronomie. Neben vielen Läden, die seit eh und je nur Bargeld akzeptieren, gibt es auch in Restaurants wo man mit Kartenakzeptanz wirbt immer wieder negative Überraschungen.

Eine solche ist mir am letzten Samstag widerfahren: Im „Salt and Pepper“ einem indischen Restaurant und Cocktailbar in Nähe des Ostkreuzes wurden bislang immer alle möglichen Karten akzeptiert. Darauf weist der Wirt auf seiner Webseite hin und es befanden sich ebenfalls die gängigen Kreditkartensymbole im Schaukasten mit der Speisekarte sowie ein veralteter EC-Cash Aufkleber an der Türe des Restaurants.

Webseite des Restaurants mit Hinweis auf Kartenakzeptanz
Screenshot der Webseite vom 12.08.2019

Angesichts der sehr deutlichen Hinweise auf die Kreditkartenakzeptanz bin ich fest davon ausgegangen, dass ich dort mit Karte bezahlen kann. Andernfalls hätte ich auf jeden Fall vor Bestellung gefragt und wäre bei negativer Auskunft woanders zum Abendessen hingegangen.

Nach dem durchaus schmackhaften Abendessen (Hühnersuppe und Chicken Saag) ging es ans Bezahlen. Der Mitarbeiter winkte sofort ab und erwiderte, dass er bereits den Herrschaften am Tisch hinter mir erklärt hat, dass sie seit heute Mittag Probleme mit dem WLAN hätten und deswegen nur Barzahlung möglich sei.

Daraufhin fragte ich, wieso sie dann kein Schild an die Türe und in den Schaukasten gehangen hätten. Immerhin sei das keine so ganz unwichtige Information. Daraufhin wiederholte der Mitarbeiter, dass es ja sonst ginge und er schlecht den ganzen Schaukasten zupflastern könne.

Ich wies darauf hin, dass ich normalerweise so gut wie kein Bargeld dabei hätte und es sich um puren Zufall handeln würde, dass meine Barbestände noch ausreichen würden.

Daraufhin lief der Mitarbeiter zurück in den Laden und kam nach kurzer Zeit wieder heraus und begann damit die Kartenlogos zu entfernen. Auf meine Frage, wieso er das denn jetzt machen würde kam nur: „Karten sind dem Chef zu teuer“. Dafür, dass bis 17 Uhr diese angeblich noch akzeptiert wurden, fiel diese betriebswirtschaftliche Entscheidung dann aber arg schnell.

In die Diskussion mischten sich dann noch zwei andere Gäste ein, die auch darüber sprachen, wie teuer Kartenzahlung denn sei und das der Wirt ja bei alten Verträgen soviel abgeben muss. Meinen Einwand, dass es jedem freisteht, seinen Kartenzahlungsdienstleister zu wechseln, so wie man es mit Handyverträgen und Strom auch macht, begegneten sie mit der Feststellung, dass man sich ja dann als Wirt darum kümmern müsste. Ziemlich logisch eigentlich. Aber was in drei Teufels Namen interessiert mich das als Gast?

Selbst in einer Facebook-Gruppe, wo es um bargeldloses und kontaktloses Bezahlen geht, äußerte ein Mitglied Unverständnis darüber, dass ich ein Restaurant wegen der mangelnden Bezahlmöglichkeiten schlecht bewerten würde. Aber hier geht es nicht darum, dass ein Wirt keine Karten akzeptiert, sondern darum, dass mit der Akzeptanz aktiv geworben wurde und dem Kunden die Einlösung dieses Serviceversprechens vorenthalten wird. Das ist noch einmal eine Nummer schlimmer und darüber hinaus unlauterer Wettbewerb.

Ich gehe sogar so weit, dass ich das mit fehlendem Toilettenpapier auf dem Restaurant-WC auf eine Stufe stelle. Mich als Gast interessiert es herzlich wenig, wenn am Samstag das Klopapier bei ALDI alle war und dem Chef der Einkauf bei EDEKA zu teuer ist. Ich gehe dann garantiert nicht zum nächsten Kiosk und kaufe zwei Rollen auf eigene Kosten und trage diese dann ins Restaurant zurück.

Obwohl ich fast fünf Jahre in Berlin gelebt habe, bin ich immer wieder überrascht, wie wenig Wert man in dieser Möchtegernmetropole doch auf Kundenservice legt.