Nahverkehr in Brüssel: Mo….biep!

Die buchungsbedingte Zwangspause zwischen dem Eurostar von London nach Brüssel und dem abendlichen ICE zurück nach Köln, habe ich für einen Kurzbesuch in der belgischen und europäischen Hauptstadt Brüssel genutzt. Besonderes Augenmerk möchte ich auch dieses Mal auf das Thema ÖPNV und Ticketing legen.

Mein letzter Besuch in Brüssel ist, abgesehen von den üblichen Umstiegen in Richtung London auf dem Bahnhof Brussel-Zuid,  auch schon wieder vier Jahre her.

Trägerkarte MOBIB / MOBIB Basic

Ich habe mir damals eine sog. MOBIB Basic-Karte gekauft. Dabei handelt es sich um eine Trägerkarte, auf die verschiedene Fahrausweisarten geladen werden können. Die Karte verfügt über eine kontaktlose Schnittstelle zum Aufladen an Ticketautomaten und zum Entwerten an den Schranken der Brüsseler Metro und Premetro bzw. den Entwerten in den Fahrzeugen selbst.

Zusätzlich verfügt die Karte über einen Chip, der sich mit einem handelsüblichen Kartenleser auslesen lässt. Diese Schnittstelle war hauptsächlich dazu gedacht, um von zuhause aus neue Fahrkarten auf die Karte zu laden. Das lässt sich inzwischen aber eleganter lösen. Dazu später mehr.

Die anonyme Trägerkarte („MOBIB Basic“) erhält man an den diversen Verkaufsstellen der MIVB genannt BOOTIK bzw. KIOSK gegen eine Gebühr von 5€. Nach dem Kauf ist die Karte fünf Jahre gültig.

Weiterhin gibt es eine personalisierte MOBIB-Karte für den gleichen Grundpreis. Die Gebühr ließ sich bereits 2015 problemlos bargeldlos bezahlen.

Darüber hinaus gibt es noch kontaktlos funktionierende Papiertickets, die eher für Tagesbesucher gedacht sind und ganz normal aus den Ticketautomaten beziehbar sind.

Über den Webshop der MIVB lassen sich personalisierte MOBIB-Karten auch per Post nach Hause liefern. Dazu kann entweder eine belgische eID verwendet werden oder aber es müssen die Daten von Hand eingegeben werden. Personalisierte Tickets erfordern darüber hinaus ein Foto.

Prémetro Linie 51 an einer unterirdischen Station

Tarife für Gelegenheitsfahrer

Die MIVB bietet für Gelegenheitsfahrer verschiedene Tarife genannt Jump an. Neben Einzelfahrten, Hin- und Rückfahrt, 5 Fahrten und 10 Fahrten gibt es auch Zeittickets für 24, 48 und 72 Stunden. Ein Jump-Ticket gilt für eine Stunde innerhalb Brüssels. Der Einzelpreis beträgt aktuell 2,10€. Neben den Angeboten der MIVB sind auch Nahverkehrszüge der NMBS sowie Busse von De Lijn nutzbar. Die genauen Regeln verrät auch hier die Webseite.

Umstiege, die jeweils durch eine neue Validierung bestätigt werden müssen, sind innerhalb dieser 60 Minuten kostenlos. Nach Ablauf der Zeit muss der Fahrgast selbstständig ein neues Jump-Ticket entwerten.

Neben dem allgemeinen Stadttarif kann man sich auch ein spezielles Flughafenticket auf die MOBIB-Karte laden. Um dieses zu entwerten, muss vor dem Entwertungsvorgang die entsprechende Taste am Entwerter gedrückt werden.

Die auf der MOBIB-Karte gespeicherten Tickets werden in einer fest definierten Reihenfolge (Ausnahme Flughafentransfer) entwertet/verwendet:

  • Umstieg
  • Abo (innerhalb des Gültigkeitsbereiches)
  • JUMP-Zeitkarten (absteigend nach Länge der Geltungsdauer)
  • JUMP 10er
  • JUMP 5er
  • JUMP Hin-/Rückfahrt
  • JUMP 1er
Tramlinie 44 an der Endhaltestelle Tervuren Station. Die Strecke ist wohl die Schönste im Netz der MIVB und lohnt sich auf jeden Fall.

Aufladen der MOBIB (Basic) Karte

Neben dem Aufladen an Ticketautomaten unter Benutzung von Bargeld oder Debit-/Kreditkarten gibt es noch eine weitere, meiner Meinung nach sehr bequeme Möglichkeit, die Karte von zuhause aus Aufzuladen.

Dies geschieht entweder via Webseite oder mobiler App. Bezahlen lässt es sich online mit VISA, Mastercard, einer onlinefähigen Maestro oder dem belgischen Bezahlsystem Bancontact. Nach erfolgreicher Bezahlung sind die Tickets im Backend hinterlegt und können ganz einfach durch Entwerten abgerufen werden.

Das Aufladen mittels Chipkartenleser und spezieller Windows-Software lasse ich an dieser Stelle außen vor.

Ticketverkauf

Die MIVB betreibt an den unteririschen Metro-/Prémetro-Stationen und wichtigen Bus/Tram-Haltestellen Ticketautomaten, die mit Bargeld und Debit-/Kreditkarten funktionieren. Beim Fahrpersonal lassen sich Einzeltickets teilweise bar erwerben. Hier wird jedoch auf die Notwendigkeit hingewiesen, den Fahrpreis möglichst passend bereitzuhalten.

Darüber hinaus gibt es aktuell 14 Kioske der MIVB und fünf BOOTIK genannte Kundencenter. Tickets und Monatskarten sind ebenfalls in Zeitungsgeschäften und Supermärkten erhältlich.

Feldversuch mit „Pay as you go“ steht bevor

Mit einer propietären Kartenlösung ähnlich wie Oyster in London lassen sich Abo-Tickets und personenbezogene Ermäßigungen sehr gut bedienen. Für Gelegenheitsnutzer zum Regeltarif ist der Zwischenschritt über eine kostenpflichtige Karte die online oder offline aufgeladen werden muss, natürlich  nervig. Darüberhinaus sind Tariffallen wie die Verbindungen zum Flughafen oder das 60-Minutenlimit für ein Jump-Ticket gerade für Touristen ärgerlich.

Wie mir die MIVB verriet, ist für die kommende Zeit ein Feldversuch mit Pay as you go geplant, also einem System wo mit Debit- und Kreditkarten die Fahrtberechtigung direkt am Entwerter oder Gate bezogen werden kann.

Das ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass man die 60 Minuten-Regel dadurch ersetzt, dass man bei der Metro auf einen entfernungsabhängigen Tarif umstellt und Bus-/Tramfahrten unabhängig von der Fahrtdauer abrechnet wenn zwischen den Umstiegen nicht mehr als bspw. 15 Minuten liegen.

Webseite und App

Die Webseite der MIVB steht auf Flämisch (Niederländisch), Französisch und Englisch zur Verfügung. Die dritte Amtssprache Belgiens (Deutsch) hat man leider ausgelassen.

Die App, mit der man sowohl seine Reise planen kann, als auch Tickets aufladen kann, findet man hier:

Fazit

Tagestouristen kommen am Besten mit einem Papierticket und einer (Mehr-)Tageskarte klar und müssen lediglich daran denken, jedes Mal im Fahrzeug (oder an der Station) einzuchecken. Das sollten die Meisten noch hinbekommen. Ein vergessener Checkin kostet dann auch maximal eine „Verwaltungsgebühr“.

Wer häufiger nach Brüssel fährt, sollte sich einen MOBIB (Basic)-Pass beschaffen. Durch das Aufladen via App oder Webseite spart man sich die Zeit am Ticketautomaten. Im Vergleich zu den Pariser Fernbahnhöfen geht es in Brüssel aber außerhalb der Rushhour dennoch sehr entspannt zu.