Gebührenmodelle von Payment-Dienstleistern – ein Vergleich

Ein Gastbeitrag von Milan Klesper, BE Bezahlexperten GmbH & Co. KG, Köln
(siehe Transparenzhinweis am Ende des Artikels)

Für Unternehmer, die Kartenzahlung einführen möchten oder sich fragen, ob sie die richtige Paymentlösung gewählt haben, ist der Markt sehr unübersichtlich. Dutzende Dienstleister mit teils sehr unterschiedlichen Gebührenmodellen konkurrieren gegeneinander. Ich habe mir drei Anbieter angeschaut und anhand von drei Beispielen miteinander verglichen.

Die Dienstleister im Vergleich:

Ich habe dabei drei Anbieter gewählt, auf deren Webseite sämtliche Preise (soweit ich es einschätzen kann) vollständig einsehbar sind und die sich sich vor allem an KMUs richten.

SumUp/iZettle

Vom Kartenlesegerät und den Konditionen gleichen sich die beiden Anbieter SumUp und iZettle. Das Gebührenmodell basiert auf einem einmaligen Kaufpreis für das Lesegerät sowie variablen Kosten für die Zahlung. Es gibt keine Fixkosten. Der Vertrieb erfolgt vor allem online über die Webseite, auf der sich die Kunden selbst registrieren. Über diesen Zugang werden auch die Daten zu Transaktionen, Rechnungen, etc. zur Verfügung gestellt.

Bezahlexperten

Der Kölner Anbieter Bezahlexperten hat die „klassischen“ Akzeptanzverträge, bestehend aus Fixkosten für Kartenterminal & Service, sowie variablen Kosten für die Abwicklung von Zahlungen, im Programm. Er positioniert sich als reiner Online-Anbieter, die Beratung erfolgt per Mail, Chat und vor allem telefonisch.

Concardis SmartPay

Concardis ist einer der größten Netzbetreiber und Acquirer in Deutschland. Die Kundenakquise erfolgt online und telefonisch, aber auch mit einer Vielzahl von Außendienstmitarbeitern. Concardis hat zum einen Gebührenmodelle ähnlich wie die Bezahlexperten, aber zum anderen seit März 2019 auch ein „SmartPay“ genanntes Paketangebot mit monatlicher Kündigungsoption, einem einheitlichen Disagiosatz für alle Karten und einem Online-Login, auf dem die Kunden ihre Umsätze einsehen können.

Vergleich: Was kostet Kartenzahlung?

Um verschiedenen Kundenvarianten im KMU-Bereich gerecht zu werden, habe ich drei Beispiele berechnet. Der Einfachheit halber habe ich Transaktionen für Kassenschnitte und eine Unterscheidung in Firmen- und private Kreditkarten außen vorgelassen.

Beispiel 1: Ein kleines inhabergeführtes Café mit 20 Plätzen. Es gibt Kaffee, Kuchen und Sandwiches. Der durchschnittliche Bon beträgt 15 Euro und pro Tag bezahlen 5 Gäste mit Karte (4x Giro- und 1x Kreditkarte). Bei 24 Öffnungstagen pro Monat kommen also 120 Transaktionen mit einer Summe von 1.800 Euro (1.440 Euro mit Giro- und 360 Euro mit Kreditkarte) zusammen.

SumUp/iZettle Bezahlexperten Concardis SmartPay
Einmalkosten 19,00 € – 79,00 € 24,99 € 99,95 €
Monatliche Kosten:
Fixkosten 0,00 € 13,97 € 19,95 €
Variable Kosten 23,58 €

(bestehend aus 0,95% für Debitkarten und 2,75% für Kreditkarten)

34,20 €
(Alternatives Preismodell 1,9% alle Kartenarten)

19,60 €

(bestehend aus 100 Transaktionen á 9 Cent und 20 Transaktionen á 8 Cent sowie 0,25% für girocard und 1,5% für sonstige Karten)

32,82 €

(bestehend auf 120 Transaktionen á 5 Cent und 1,49% für alle Karten)

GESAMT PRO MONAT 23,58 €
34,20 €
33,57 € 52,77 €

Der Klassiker: Für Firmen, die nur einen geringen Umsatz über Karten machen und vor allem Transaktionen mit einem geringen durchschnittlichen Betrag haben, gewinnen SumUp oder iZettle aufgrund der nicht existenten Grundgebühren, in sofern man sich für das Gebührenmodell mit getrennten Gebührensätzen für Debit- und Kreditkarten entscheidet. Welche Karten iZettle und SumUP als Debit-Karten ansehen wird leider nicht transparent kommuniziert.

In solch einem kleinen Café ist auch das Handling der Kartenlesegeräte der beiden Anbieter, für die man des Weiteren ein Smartphone oder Tablet zum Koppeln bzw. für die eigentliche Bezahl-App braucht, kein größeres Hindernis.

Beispiel 2: Eine Metzgerei, die 24 Tage pro Monat geöffnet hat und bei der pro Tag 5 Leute bargeldlos bezahlen (ebenfalls 4x Giro- und 1x Kreditkarte). Der Durchschnittsbon liegt bei 25 Euro. Insgesamt fallen hier also 120 Bezahlvorgänge im Gesamtwert von 3.000 Euro an.

SumUp/iZettle Bezahlexperten Concardis SmartPay
Einmalkosten 19,00 € – 79,00 € 24,99 € 99,95 €
Monatliche Kosten:
Fixkosten 0,00 € 13,97 € 19,95 €
Variable Kosten 39,30 €

(bestehend aus 0,95% für Debitkarten und 2,75% für Kreditkarten)

57,00€

(Alternatives Preismodell 1,9% alle Kartenarten)

25,60 €

(bestehend aus 100 Transaktionen á 9 Cent und 20 Transaktionen á 8 Cent sowie 0,25% für girocard und 1,5% für sonstige Karten)

50,70 €

(bestehend auf 120 Transaktionen á 5 Cent und 1,49% für alle Karten)

GESAMT PRO MONAT 39,30 €
57,00 €
39,57 € 70,65 €

 

Hier liegen zwei Gebührenmodelle quasi gleichauf. Es kommt nun individuell auf den Händler bzw. das Business an, ob ein klassisches Kartenterminal wie von den Bezahlexperten bzw. Concardis oder eine, nennen wir es mal „modernere Variante“ wie das Kartenlesegerät in Verbindung mit der App auf einem zweiten Gerät die richtige Wahl ist. Beim Metzger wäre es wahrscheinlich zu umständlich, die App zu benutzen. Hier kommt wohl eher die klassische Variante zum Zug: Betrag eintippen, Karte dranhalten oder einstecken, evtl. Pin eingeben, fertig.

Beispiel 3: Ein mittelgroßer Friseursalon im mittleren Preissegment. Pro Tag bezahlen 8 Kunden durchschnittlich 50 Euro per Karte, davon 6 mit Giro- und 2 mit Kreditkarte. Bei 20 Öffnungstagen pro Monat liegt der Salon also bei 160 Kartenzahlungen mit einem Umsatz von 6.000 Euro per Giro- und 2.000 Euro per Kreditkarte.

SumUp/iZettle Bezahlexperten Concardis SmartPay
Einmalkosten 19,00 € – 79,00 € 24,99 € 99,95 €
Monatliche Kosten:
Fixkosten 0,00 € 13,97 € 19,95 €
Variable Kosten 112,00 €

(bestehend aus 0,95% für Girokarte und 2,75% für Kreditkarte)

152,00€

(Alternatives Preismodell 1,9% alle Kartenarten)

58,80 €

(bestehend aus 100 Transaktionen á 9 Cent und 60 Transaktionen á 8 Cent sowie 0,25% für Girokarte und 1,5% für Kreditkarte)

127,20 €

(bestehend auf 160 Transaktionen á 5 Cent und 1,49% für alle Karten)

GESAMT PRO MONAT 112,00 €
152,00 €
72,77 € 147,15 €

Bei höheren Kartenumsätzen kommen die geringen Transaktionsgebühren von Dienstleistern wie Bezahlexperten (es gibt natürlich noch ein paar andere in dieser Liga) zum Tragen. Dass es Fixkosten gibt, ist bei Summen von 5.000 Euro und mehr zu vernachlässigen, denn dann wirken sich die variablen Kosten viel stärker aus.

Fazit: Drum rechne, wer sich bindet

„Mal eben schnell“ sollte man sich nicht ums Thema Kartenzahlung kümmern. Zur Auswahl des passenden Dienstleisters muss man schon ein wenig Zeit investieren, sonst steckt man auf einmal in einem 60-Monatsvertrag mit überhöhten Gebühren.

Bei SumUp gibt es neben den beiden Modellen (0,95%/2,75% sowie 1,9%) noch ein weiteres Preismodell, wo der Satz bei 0,95% resp. 1,9% liegt und sich an Händler „mit hohem Transaktionsvolumen“ richtet.

Tipps, um den richtigen Dienstleister zu finden

  1. Vergleichen und rechnen: Bei den oben genannten drei Anbietern sind die Gebühren transparent auf der Webseite dargestellt. Dann kann man, so wie hier geschehen, einfach mit Hilfe eines Taschenrechners die voraussichtlichen Kosten ausrechnen. Und wer sich nicht sicher ist, ob er richtig gerechnet hat, kann auch den jeweiligen Anbieter fragen, ob die Rechnung wohl so stimmt. Schon hier zeigt sich dann, wie transparent mit den Preisen umgegangen wird auf der Jagd nach Neukunden.
  2. AGB und Preislisten checken: „Ha, was ein Schnapper, das Kartenterminal kostet nur 1 Euro Miete pro Monat! Gekauft!“ Dass in den AGB noch viele kleine Zusatzgebühren stehen und die 1 Euro auch nur für einen Vertrag mit einer Laufzeit von 4 oder 5 Jahren gelten, wird dann schnell mal übersehen. Lesen bildet und rettet vor Kostenfallen. Und neben dem Lesen hilft auch ein Anruf beim Anbieter mit der Bitte, sämtliche Preise offen darzulegen.

Transparenzhinweis:
Dieser Artikel entstand in unbezahlter Zusammenarbeit mit Herrn Milan Klesper, Geschäftsführer des Kölner Zahlungsdienstleisters BE Bezahlexperten GmbH & Co. KG. Herr Klesper vergleicht dabei ein eigenes Angebot mit gängigen Wettbewerbsprodukten unter Annahme realer Transaktionszahlen.

Im Interesse der Förderung der Markttransparenz würde ich mich über weitere Beiträge dieser Art von anderen Zahlungsdienstleistern sehr freuen.