26. September 2026
Logo des polnischen Bezahldienstes BLIK

BLIK-Nudging in Polen und wieso das nervig ist

Das Bezahlsystem BLIK ist längst an dem Punkt angekommen, wovon die epi-Leute für ihr System Wero nachts träumen. Man trifft es im eCommerce, bei P2P-Zahlungen und am POS tagtäglich. Die Nutzung ist selbstverständlich und für viele Polinnen und Polen die erste Wahl. Wie das System funktioniert, habe ich in früheren Blogposts bereits beschrieben. Siehe hier und hier. Ergänzend dazu gibt es bei der PKO Bank Polski bereits eine HCE-Implementierung in der eigenen App für iPhone, also das, was die Genossenschaftsbanken in Deutschland mit der girocard anbieten. Im polnischen eCommerce werden rund 70% der Bezahlungen über BLIK abgewickelt.

So weit so gut. Bislang gab es in polnischen Apps eigentlich kein Bezahlproblem, wenn man mal davon absieht, dass der eine oder andere Online-Ticket-Anbieter eine polnische Mobilfunkrufnummer voraussetzt, was auch so eine Unart ist. Als Begründung müssen AML-Richtlinien herhalten. Nun ja.

Apple Pay, Google Pay, manuelle Eingabe von Kartendaten, Bezahlen via Online-Banking und BLIK standen eigentlich immer gleichberechtigt nebeneinander. Inzwischen muss man aber die Vergangenheitsform wählen. Die beliebte Ticket App KOLEO erlaubt bspw. Apple Pay nur noch für Fernverkehrstickets oder zum Aufladen der eigenen Wallet, wohingegen via BLIK Regionalzug- und Stadtverkehr-Tickets direkt beglichen werden können. Ähnlich sieht es bei Jak Dojadę und anderen Anbietern aus.

Interessanterweise lässt sich durch die manuelle Eingabe der Kreditkartendaten häufig weiterhin direkt kaufen. Dazu muss man aber sagen, dass die Eingabe und dauerhafte Speicherung von Kartendaten bei Polen sehr verpönt ist und es da nur all zu logisch ist, direkt auf BLIK auszuweichen.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Abwicklung einer eCommerce-Zahlung über Apple Pay genauso viel kostet, wie über manuell eingegebene Kartendaten (ggf. mit SCA), ist eine solche Beschränkung zunächst wenig logisch. Hinzu kommt, dass bei den meisten Zahlungsdienstleistern BLIK nur minimal günstiger ist, als eine via Apple Pay und Debitkarte abgewickelte Zahlung.

Aus Sicht internationaler Kunden ist dieses Nudging eher nervig und folgt wohl eher dem erklärten Ziel, unabhängiger von den beiden US-Schemes zu werden.

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional, Payment Nerd Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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