Die eigenen Finanzen im Blick, Dank Kartenzahlung

Ich wurde vor einigen Tagen von einem ehemaligen Auszubildenden gefragt, wie ich denn so den Überblick behalte, wo ich doch fast ausschließlich bargeldlos bezahle. De facto wird in Diskussionen rund um Bargeld vs. Karte immer wieder das Argument angebracht, dass man mit Kartenzahlung weniger Überblick über Ein- und Ausgaben habe.

Zusätzliche Nahrung bekommt dieses Argument dadurch, dass Akquirer auch im Jahr 2017 damit werben, dass Kunden durchschnittlich mehr ausgeben, wenn sie die Möglichkeit zur Kartenzahlung haben.

Da dieses Thema sehr spannend ist und es eine Menge Smartphone-Apps und Computer-Programme gibt, die den Benutzer hierbei unterstützen, möchte ich in diesem, ersten Beitrag erst einmal über die Grundvoraussetzungen und meine Herangehensweise schreiben.

Die Zettelwirtschaft

Viele Barzahler behaupten ja, dass der Blick ins Portemonnaie die ultimative Transparenz darstelle. Dabei vergessen Sie, dass sie dort lediglich den aktuellen Bestand eines weiteren Kontos sehen. Für den wirklichen Überblick müssten sie eigentlich parallel den Kontostand ihres Girokontos und den aktuellen Füllstand der Spardose sehen, in der jeden Abend die kleineren Münzen entsorgt werden.

Neben jeder Menge Bargeld tragen viele Menschen auch stapelweise Kassenzettel mit sich herum. Diese werden in aller Regel nie wieder angeschaut und bilden auch selten den kompletten Mittelabfluss ab. Wer fragt schon am Kiosk oder in der Kneipe nach einem Kassenzettel.

Mit Kartenzahlung hat man im Idealfall nur eine einzige App, die man im Blick haben sollte. Dass das nicht immer 100% so der Fall ist, dazu später.

Wichtig: Die Wahl des richtigen Kontos

Bei der Wahl der Bank ist, neben den Konditionen, auch entscheidend wie zeitnah Buchungen erfolgen. Gerade wer viele kleine Beträge mit Karte begleichen möchte, wird bei einer Bank, die erst nach rund drei Tagen Umsätze in der App oder im Online Banking darstellt, nicht glücklich werden. Gleiches gilt für die Kreditkarte: Eine monatliche Abrechnung auf Papier passt weder in unsere Zeit, noch zu uns Kunden die die Karten wirklich einsetzen. Im Zweifelsfalle hilft hier nur Fragen bei der Bank, oder bei Freunden die dort ein Konto haben.

Banken wie N26 und Fidor setzen dies sehr gut mit Push-Mitteilungen um. Allerdings haben beide keine girocard im Portfolio. Ich selbst bin Kunde einer Sparkasse. Sicherlich keine billige Option, dafür werden meine girocard-Umsätze zumindest als Vormerkungen in Echtzeit dargestellt. Buchungen mit der MasterCard leider erst rund 1,5 Tage später. Da hoffe ich noch auf Besserung in naher Zukunft.

Natürlich sollte das gewählte Kontomodell auch stets alle beleglosen Buchungen in der Monatsgebühr inkludiert haben. Weiterhin gibt es immer noch kostenlose Girokonten bspw. von der DKB oder ING-DiBa.

Kontaktloses Bezahlen

Gerade wer plant, auch kleinere Einkäufe mit Karte zu bezahlen, wird um eine Karte mit NFC nicht herumkommen. Aktuell gibt es da aber die abstruse Situation, dass die Akzeptanz von Maestro, Mastercard und VISA kontaktlos wesentlich verbreiteter ist.

Die DKB gibt aktuell gar keine kontaktlose girocard heraus und die TARGOBANK will sich diesen Service noch mit einer Extragebühr bezahlen lassen. ING-DiBa hat gerade angefangen, NFC-girocards an die Kunden zu verteilen. Dafür bieten aber alle drei Banken ihre VISA-Karten mit der Kontaktlosfunktion an.

Konsolidierung von Konten und Umsätzen

Gerade wer viel mit Payment-Apps experimentiert, kennt das Problem. Fast jedes System basiert auf dem Prepaid-Prinzip. Schnell kommt man an den Punkt, wo auf fünf Konten jeweils Beträge zwischen zehn und 150€ liegen. Keine so gute Idee.

Gleiches gilt für Leute, die aus welchen Gründen auch immer, mehrere Konten bei verschiedenen Banken unterhalten. Kann man machen, man sollte aber dann unbedingt darauf achten, dass man eine Smartphone-App findet, die alle Konten darstellen und die Salden summieren kann.

Ich habe in letzter Zeit hier sehr stark aufgeräumt und fast alles herausgeworfen, was auf dem Prepaid-System basiert.

Bei Kreditkarten mit monatlicher Abrechnung sollte man darauf achten, dass diese möglichst von dem Konto abgebucht werden, wo sich in der Regel ein entsprechendes Guthaben befindet und man nicht noch daran denken muss, Geld von A nach B zu überweisen. Neben unnötigen Sollzinsen besteht immer noch die Gefahr der Rücklastschrift und das ist bei Kreditkartenabrechnungen besonders ärgerlich, da dies gerne zur Kündigung oder zumindest zur Reduktion des Monatslimit führen kann.

Vorbereitungen abgeschlossen. Und nun…?

Grundsätzlich sollte man sich beim Shoppen mit der Karte natürlich auch immer die Frage stellen: „Brauch ich das wirklich?“. Beantwortet man sich diese Frage mit „Ja“, so wird die Karte gezückt.

Bei Debitkarten (egal ob girocard oder MasterCard / VISA) wird in der Regel sofort das verbundene Konto belastet. Der Umsatz sollte somit auch binnen Sekunden in Eurer App sichtbar sein.

Die Kartenzahlungsbelege aus diesen Umsätzen kann man mit den Kaufrechnungen (bei Ware mit Gewährleistung/Umtauschrecht) direkt irgendwo dauerhaft deponieren. In der Regel wird man die nie wieder benötigen. Ob man die nun sauber abheftet oder im Schuhkarton horten mag, darüber möchte ich nicht richten. Das muss jeder selber wissen.

Händler, die Zahlungen mit der girocard über das elektronische Lastschriftverfahren abwickeln, gibt es leider immer noch. Eigentlich sollte man in solchen Geschäften nach Möglichkeit ausschließlich mit Mastercard oder VISA bezahlen, das ist aber leider nicht überall möglich.

Genauso gibt es Orte, an denen Kreditkarten komplett offline abgewickelt werden und teilweise erst Wochen später die Belastung des Kontos erfolgt.

Die Zahlungsbelege zu diesen Zahlungen sollte man separat aufbewahren und frühestens dann vernichten, wann die Buchung erfolgt ist. Handelt es sich dabei nicht um 3,50€ für das Parkhaus, so sollte man die Summe im Hinterkopf und natürlich auch immer das entsprechende Guthaben auf dem Belastungskonto haben.

Regelmäßig Kontobewegungen checken

Gerade, wenn man sehr viel mit Karte bezahlt, ist es wichtig regelmäßig das Konto zu checken. Wer erinnert sich schon noch daran, ob man wirklich vor 21 Tagen einen Kaffee bei Starbucks getrunken hat. Viele Banken bieten über Pushmitteilungen auch die Möglichkeit, sich stets über Kontobewegungen auf dem Laufenden zu halten. Das sollte man nutzen.

Verschiedene Karten für verschiedene Zwecke

Einige empfehlen, für verschiedene Zwecke unterschiedliche Karten einzusetzen. Bspw. also eine Karte für die täglichen Ausgaben (in der Regel dann die girocard) und eine Karte eher für Anschaffungen, eigene Reisen oder Auslagen für die Firma auf Dienstreisen etc.

Das kann man durchaus tun. Allerdings hat sich das bei mir in der Praxis nicht bewährt. Das liegt zum Einen daran, dass nicht überall jeder Kartentyp akzeptiert wird. Binnen kürzester Zeit hat man dann den Coffee-To-Go oder die Sanifair-Buchung auf der Kreditkarte für Anschaffungen, während das Geschäftsessen mangels Akzeptanz des Gastronomen mit der girocard beglichen werden musste. Zum Anderen will man ja auch nicht immer alle Karten mit sich herumschleppen.

Ich habe das daher weitestgehend aufgegeben und beschränke mich darauf, für Umsätze in Fremdwährung eine Revolut-Karte zu verwenden, um Gebühren zu sparen.

Elektronische Haushaltsbücher

Einige Banken bieten im Rahmen ihrer Banking-Apps oder des Online-Bankings Tools zum Auswerten der Umsätze an. Weiterhin gibt es, wie Eingangs erwähnt, eine Vielzahl von Drittanbietern.

Im einfachsten Fall sind diese Helfer relativ blöd und erwarten vom Benutzer die manuelle Kategorisierung der einzelnen Umsätze. Einige lernen aus den Zuweisungen oder erkennen anhand der Zahlungsempfänger selbst einen Teil der Buchungen.

Vielfach nützt einem das automatisch erkannte Tag (bspw.) „Versicherung“ aber relativ wenig, da es sich dabei sowohl um die Hausrat- oder die Autoversicherung handeln kann. Wer also alle Autokosten auswerten möchte, darf hier gerne noch mal Hand anlegen.

Die meisten solcher Systeme bieten weiterhin noch die Möglichkeit, für Barzahlungen manuell zu erfassende Konten und Kontobewegungen zu führen. Gerade in der Übergangszeit in der man vielleicht erst damit anfängt, mehr mit Karte zu zahlen, sollte man auch die Barzahlungen mit einem solchen System notieren.

Ich werde beizeiten mal das eine oder andere Produkt testen und hier an dieser Stelle vorstellen.

Fazit

Man braucht eigentlich nur ein passendes Konto und die dazugehörigen Karten, ein wenig Vorbereitung und zum Schluss ein ganz klein wenig Disziplin beim Umgang mit den Belegen, um mit Kartenzahlung den Überblick zu behalten.

Im Idealfall reicht ein Blick in eine einzige App.

 

Ein Gedanke zu “Die eigenen Finanzen im Blick, Dank Kartenzahlung

  1. Der Übersicht wegen zahle ich mittlerweile überhaupt nicht mehr mit girocard, da ich so Gefahr liefe, mit ELV bestraft zu werden und erst 3 Tage später benachrichtigt würde. Nichts führt an Mastercard Debit vorbei, für mich ist es der perfekte Kartentyp, zumal man ja selbst in Deutschland bei fast allen Ketten damit kontaktlos zahlen kann.

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