Die Argumente der Bargeldlos-Hasser hinterfragt

Vor langer Zeit schrieb ich einen Blogpost, der auch heute noch häufig geteilt wird. Dabei ging es um das ewige Bullshit-Bingo beim Thema Kartenverweigerung in Handel und Gastronomie.

Während inzwischen immer mehr Geschäftsinhaber den Vorteil des bargeldlosen Bezahlens für ihr Unternehmen erkennen und auch in ehemals uneinnehmbar geglaubten Cash-Bastionen, wie bspw. Bäckereien, moderne NFC-Terminals Einzug erhalten, finden in der Bevölkerung noch stets ziemlich rückwärts gewandte Diskussionen statt.

In der aktuellen Situation in der sich Deutschland befindet, stehen weder die schleichende Abschaffung, noch ein politisch gewolltes Bargeldverbot zur Debatte. Beim Blick über den Tellerrand der Staatsgrenze offenbaren sich jedoch Ausblicke auf eine Zukunft, wo Bargeld weniger wichtig wird oder vielleicht an einigen Stellen gar nicht mehr akzeptiert wird.

Der Nahverkehr in den Großstädten als Treiber einer bargeldlosen Zukunft

Der Nahverkehr in den Niederlanden bspw. funktioniert nahezu frei von Bargeld über die OV-chipkaart. Auch Einzelfahrscheine oder Tageskarten lassen sich an Automaten oder in den Bussen und Bahnen nur noch mit Hilfe einer Debitkarte lösen. Gutes Beispiel hier die Tram der GVB Amsterdam. In den Siemens Combino-Fahrzeugen gibt es in der Mitte einen Schaffnerarbeitsplatz, wo freundliche Mitarbeiter gegen einen Tap mit der Bankkarte ein Ticket verkaufen. Schaffner wurden bei uns irgendwann in den 1960ern abgeschafft!

Wer unbedingt eine Fahrkarte mit Bargeld bezahlen möchte, kann dies u.a. auch in vielen Kiosken und Schreibwarenläden tun, die sich sicherlich über zusätzliche Kundschaft freuen. In sofern ist schon einmal das Argument der Arbeitsplatzvernichtung völliger Käse.

Eine weitere Card-Only Bastion sind Gepäckschließfächer in den Bahnhöfen. Bei den aktuellen Preisen von über 6€ pro Tag für ein Schließfach in den Großstadtbahnhöfen wie Den Haag CS oder Amsterdam CS kann man sich vorstellen, was für Berge Münzen alle paar Tage bewegt werden müssten. Dazu müssten auch störungsanfällige Banknotenwechsler wie bspw. in Köln oder Berlin installiert werden. Alles in Allem ein Aufwand, den man sich getrost sparen kann.

Das Argument, dass öffentliche Verkehrsmittel mit einem Rückzug aus der Bargeldakzeptanz, nicht mehr von Allen nutzbar wären, sollte man aber dennoch ernst nehmen. Neben einer breiten Akzeptanz von nationalen und internationalen Zahlkarten bedarf es auch lokaler Angebote wie bspw. Städtekarten (siehe auch Urbancard in Polen) inkl. der Möglichkeit Fahr- und Rabattberechtigungen für Bedürftige auf eben diesen zu speichern. Gleichzeitig sollten alle Akteure ihr Engagement für eine weitere Reduktion der „Unbanked“-Quote verstärken. Da ist trotz des Anrechts auf ein „Jedermann-Konto“ noch Einiges zu Tun. Insbesondere auch bei der Preisgestaltung bei Konten für Personenkreise mit geringer Bonität.

„In der Kneipe/im Stadion/in der Disko“

Bargeldverfechter führen immer wieder an, dass bargeldlose Zahlung langsamer als Barzahlung sei. Selbst, wenn wir jetzt nicht das Extrembeispiel der „Moment, ich hab es passend!“-Kundschaft heranziehen, so zeigt dieser Spot der Deutschen Kreditwirtschaft sehr deutlich, dass dies in Zeiten kontaktloser Zahlverfahren einfach nicht mehr stimmt:

Somit ist die kontaktlose Zahlung per Karte oder Smartphone auch dort eine sinnvolle Alternative, wo es schnell gehen muss. Aktuelle Beispiele sind die vielen Fußballbundesliga-Stadien, die auf kontaktlose Kartenzahlung umrüsten.

Und selbst für den Fall, dass aus welchen Gründen auch immer (alte Karte ohne NFC, max. Zahl kontaktloser Zahlungen erreicht, Terminalfehler) gesteckt mit Chip & PIN gezahlt werden muss, ist das kein Show-Stopper. Ganz im Gegenteil:

Mit diesen Fakten im Hinterkopf verwundert es auch nicht, dass das kontaktlose Zahlen selbst vor den Bahnhofskneipen in UK keinen Halt gemacht hat. Dort, und in vielen anderen Pubs, ist „Tap for a Pint“ längst etablierter Standard, d.h. anstelle des Deckels, der am Schluss abgerechnet wird, zahlt der Gast jedes einzelne Getränk direkt am Tresen.

Bartresen in der Bahnhofskneipe im Bahnhof Waterloo (London)

Stromausfall / Störungen im Netz

Stromausfälle kommen sind in Europa ein höchst seltenes Ereignis. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen wie bspw. zuletzt in Teilen von Berlin. Aber sind wir mal ehrlich: In diesem Fall funktionieren weder Kassen, Beleuchtung, Kühlung oder gar die elektrischen Türen der Supermärkte, die somit einfach geschlossen bleiben dürften.

Etwas häufiger kommen natürlich Störungen bei Internetleitungen oder den Abwicklungssystemen der Kartenherausgeber vor. Aber auch hierfür gibt es genügend Fallback-Szenarien. Seien es die 500€ pro Woche Offline-Limit vieler girocards, die Nutzung des elektronischen Lastschriftverfahrens oder aber der Offline-Limits vieler Kreditkarten bspw. für den Einsatz im Flugzeug, auf hoher See oder dem BordRestaurant der DB.

Dass die meisten Händler auf die Nutzung solcher Möglichkeiten verzichten, zeigt nur, wie selten solche Fälle eintreten und dass es aktuell immer noch die Möglichkeit gibt, bar zu bezahlen. Sollte dies irgendwann nicht mehr so sein, so werden sicherlich auch die Offline-Szenarien wieder in den Fokus der Händler rücken. Schließlich lässt man sich nur ungerne Umsatz entgehen. (Ausnahmen hängen auch völlig ohne Not, Schilder wie „Leider keine Kartenzahlung möglich“ oder „EC-Karte ab 10€“ ins Schaufenster)

Abseits kommerziellem Einsatz

Während im Verhältnis Konsument<->Unternehmen viele Bürgerinnen und Bürger längst die Annehmlichkeiten bspw. des kontaktlosen Bezahlens mit der girocard oder Kreditkarte erkannt haben und immer häufiger, und für stets geringer werdende Beträge, zum Plastik greifen, fehlen in anderen wichtigen Bereichen einfach noch die notwendige Phantasie oder schlechtweg die Angebote. Ein paar der immer wieder diskutierten Fälle möchte ich an dieser Stelle einmal durch deklinieren.

Trinkgeld in der Gastronomie

Technisch und rechtlich ist es heute schon möglich, und wird vielerorts seit Jahren praktiziert, dass Trinkgeldzahlungen über das Kartenterminal des Restaurants oder Hotel abgewickelt werden.

Im Wesentlichen unterscheidet man dabei, ob das Trinkgeld einfach auf den zu zahlenden Rechnungsbetrag aufgeschlagen wird, oder ob eine getrennte Erfassung und Ausgabe auf dem Beleg erfolgt. Viele Terminals erlauben es auch, dass der Kunde den Betrag selbst eingibt oder sogar vorgeschlagene Beträge (10%, 15%, 20%) auswählt.

Andere Wirte wiederum scheuen den angeblichen Buchungsaufwand und erlauben das Tipping nur in bar. So etwas gibt es übrigens nicht nur in Deutschland. Auch im Kartenzahlerland Polen findet man das häufig.

Wie wir sehen, liegen hier aber weder technische, noch rechtliche Hindernisse vor, so dass zumindest in Restaurants mit Bedienung und Bezahlung mit am Platz kein wirkliches Problem besteht.

Anders sieht es da natürlich dort aus, wo die gastronomischen Konzepte die zentrale Bezahlung an der Kasse vorab (bspw. Starbucks) oder danach (bspw. Vapiano) vorsehen und für Tips lediglich ein großes Münzglas steht. Sicherlich bestünde auch hier die Möglichkeit, die Kassensoftware entsprechend anzupassen.

Einen recht interessanten Ansatz habe ich dazu letztens in London gesehen. Im polnischen Restaurant Mamuśka steht am Ausgang eine Tafel mit drei mPOS-Terminals von iZettle:

Trinkgeld per iZettle mPOS-Terminals am Ausgang

Das ist in sofern geschickt, da man dort gezielt die Leute abholt, die sich für einen schönen Abend bei guter polnischer Küche bedanken möchten. Bei Mamuśka werden nämlich ansonsten die bestellten Speisen und Getränke vorab kassiert und nur die wenigsten Menschen dürften zu diesem Zeitpunkt über Trinkgeld nachdenken.

Ein solches iZettle-Terminal kostet in Deutschland in der Regel 39€ für das Erstgerät. Selbst wenn man für Gerät 2 und 3 jeweils 99€ ausgeben dürfte, so ist dies in Kombination mit drei günstigen Android-Telefonen, die ansonsten in der Schublade vergammeln würden, eine sehr kostengünstige Lösung. In UK werden aktuell 29 GBP für das Erstterminal aufgerufen und es fallen, unabhängig vom Kartentyp 1,75% Gebühren an, wohin gegen wir in Deutschland eine Unterscheidung der Tarife nach Kartenart haben.

Straßenmusikanten, Obdachlosenzeitungsverkäufer, Spendensammler und Co.

Gerade in den Großstädten „verdienen“ viele Menschen Ihr Geld auf der Straße. Seien es nun Musikanten, die uns mal mit wunderschönen und mal mit schrägen Klängen die Wartezeit auf die U-Bahn versüßen oder Spendensammler für DRK oder die obligatorischen Motz-Verkäufer.

In Deutschland darf dabei eines nicht fehlen: Die Sammelbüchse oder der Pappbecher. Zugegebenermaßen haben derartige Leute es immer schwerer, in einer Welt mit weniger Bargeld über die Runden zukommen. War „Tut mir leid, kein Bargeld dabei“ früher häufig eine Ausrede, um nicht spenden zu müssen, so entspricht das in Ländern wie Schweden, UK oder den Niederländern immer häufiger der Wahrheit.

Musiker im Londoner Bahnhof Euston, der die Zeichen der Zeit erkannt hat.

Spendensäule im Dockland Museum. Hier kann man 5 GBP für den Betrieb spenden. Eintritt zahlt man keinen.

In Schweden ist es inzwischen üblich, die Obdachlosenzeitungen bargeldlos zu erwerben. Auch in Deutschland gehen die ersten Kirchen dazu über, die Kollekte alternativ auch bargeldlos durchzuführen. Wie man sieht, sind die technischen Lösungen längst marktreif und bezahlbar. Sie müssen halt nur eingesetzt werden!

Flohmärkte

Viele Untergangsapologeten befürchten, dass es ohne Bargeld bald keine Flohmärkte mehr gäbe. Das ist in sofern interessant, als dass die wenigsten Anbieter dort heute noch Privatleute sind, die den Inhalt ihrer Garage zum Kauf anbieten, sondern es sich vielmehr zu einem Großteil um professionelle Händler handelt, die ganzjährig von Markt zu Markt ziehen und sicherlich mit einem Kartenterminal gut bedient wären. Hier dürfte dann wohl eher die Steueroptimierung ein Hinderungsgrund sein.

Aber auch für diejenigen, die die Ergebnisse ihrer Hobbys wie Stricken, Kunsthandwerkern, Malern oder des Restaurierens von Opa Möbeln  versilbern möchten, gibt es in anderen Ländern längst Lösungen wie bspw. das schwedische Swish, einer App mit denen sowohl Privatpersonen als auch kleine Händler in Sekunden kostenlos Geld von einem Konto auf das andere transferieren können.

In Deutschland ist das leider noch so eine Sache. Die Lösung mit den meisten aktiven Kunden dürfte PayPal sein, die aber nur Transfers zu „Freunden und Familie“ kostenlos anbietet.

Mit „Kwitt“ der Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken gibt es zumindest theoretisch eine große Marktabdeckung, aber sind wir mal ehrlich: Wer nutzt das, trotz der großen Werbekampagne der Sparkassen, wirklich aktiv?

In Schweden haben sich alle Banken zusammengeschlossen und bieten Swish gemeinsam an. Neben Zahlungen zwischen Privatleuten, wird das System auch bei vielen Händlern und Cafés sehr aktiv genutzt.

Dies fehlt hierzulande noch. In sofern bin ich wirklich gespannt, was die geplante Kwitt-App für kleinere Händler in Bewegung setzen wird!

Im Familien- und Freundeskreis

Solche Situationen kennt jeder. Man sammelt für ein gemeinsames Geburtstagsgeschenk für die Mutter. Am Rande der Feier wechseln dann „heimlich“ Scheine und Münzen den Besitzer in der Küche.

Ein Klassiker ist folgender Dialog:

P1: „Ich bekomme noch 13,50€ für das Geschenk“
P2: „Ich habe 10€ dabei. Hier. Die 3,50€ kannst Du von P3 holen, der schuldet mir die noch vom letzten Bier gestern“
P3: „Äh ja. Aber ich habe nur einen 50€ Schein in der Tasche. Kannst Du wechseln?“
P4: „Bei der Gelegenheit P1: Denkst Du nächste Woche noch daran, 10€ für das Geschenk für P5 mitzubringen?“

Ehrlich: Da möchte man ausrasten!

PayPal hat dies recht früh erkannt und seine unangefochtene Position als Marktführer bei Online-Bezahldiensten in Deutschland genutzt, um Peer-To-Peer-Zahlungen zu etablieren.

Wurde zu Anfang nur die direkte Abbuchung der so überwiesenen Beträge vom hinterlegten Bankkonto möglich, so lassen inzwischen auch Mastercard, VISA und American Express hierfür kostenlos nutzen. In unserer Familie und meinem Freundes- und Kollegenkreis machen wir von dieser Funktion regelmäßig Gebrauch.

Die Wahl viel auf PayPal, weil praktisch jeder dort ein Konto hat. Zumeist existiert dies noch aus den Glanzjahren von eBay, wo praktisch jeder dort eingekauft und verkauft hat.

Das ist inzwischen bei uns so etabliert, dass bis auf einige wenige Totalverweigerer niemand mehr eine andere Art der Bezahlung in den Ring wirft.

Umgang mit Geld lernen

Viele Psychologen führen den mangelnden Verlustschmerz bei elektronischer Bezahlung an, der dafür sorgen soll, dass besonders junge Menschen sich früh und hoch verschulden.

Aber auch hier muss man sagen, dass die Fähigkeit mit Geld umzugehen, unabhängig von der Form des Geldes zu sehen ist. Wer sich nur anhand des dünner werdenden Bündels im Portemonnaie halbwegs orientieren kann, der kann im Grunde eben nicht mit Geld umgehen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass eine „Abschaffung“ oder ein „Verbot“ von Bargeld immer zwangsläufig auch das Thema Kinder und Umgang mit Geld zur Sprache kommt. Wie sollen Kinder ohne Münzen und Scheine den Umgang mit Geld lernen?

Während halb Deutschland hier noch über die Risiken diskutiert, hat sich in deutschen Kinderzimmern längst eine Art Ersatzwährung etabliert: Das Mobilfunkguthaben auf Prepaid-Karten!

Kinder lernen so, mit dem zur Verfügung stehenden Guthaben und Datenvolumen bis zum Monatsende zu haushalten. Ökonomisches Verhalten wie bpsw. die Nutzung kostenloser WLAN-Netze in der Stadt oder das Verschieben von datenintensiven Anwendungen (Videos schauen, Updates laden) auf die Zeit zuhause wird so gefördert.

Besondere Leistungen in der Schule oder aktive Hilfe im Haushalt werden zudem gerne mit einer außerplanmäßigen Aufladung der Karte belohnt.

Ich bin mir sicher, dass wenn mehr Angebote im Payment-Bereich auch Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stünden, dass sich dies schnell einpendeln würde. Dazu müssten aber zu allererst auch einmal die Eltern ein wenig Kompetenz aufbauen.

Da sieht es leider, ähnlich wie bei allgemeiner Medienkompetenz im Umgang mit Social Media, meist sehr düster aus.

Dies ist aber ein gesamtgesellschaftliches Problem und hat absolut nichts mit der Form der Bezahlung zu Tun.

Überwachungsängste

Ängste haben in der Regel ihren Ursprung im mangelnden Wissen um reale Gefahren. Daraus resultiert in diesem Fall auch die Furcht, der Staat, die Krankenkasse oder die Bank könnten erfahren, was man einkauft und wo man sich aufgehalten hat.

Natürlich werden bei einem Bezahlvorgang Daten erhoben. Diese umfassen aber nur die für die Abwicklung der Bezahlung notwendigen Informationen wie bspw. Kartennummer, Betrag, Terminalnummer, Vertragspartner und Zeitpunkt.

Eine Anreicherung um das, was gekauft wurde, geschieht in der Regel völlig freiwillig durch den Konsumenten. Dies kann die Verwendung eines Bonuskarte wie Payback sein oder aber das Posten des Einkaufs auf Facebook / Instagram etc. Im ersten Fall haben Händler und das Bonusprogramm einen Informationsgewinn, im zweiten Fall je nach Privatsphäreeinstellungen des Accounts, die eigenen Freunde oder die ganze Welt.

Selbst für den Fall, dass man die letzten Herrengedecke in der Bahnhofskneipe am frühen Sonntag morgen mit seiner Karte bezahlt hat, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Banker oder die Bankerin des Vertrauens, dies über einen völlig verstrahlten Facebook-Post um 06:00 morgens erfährt, da man irgendwann völlig wahllos sein ganzes Adressbuch zu Facebook hochgeladen- und jeden als Freund hinzugefügt hat.

Darüber hinaus dürften die Kundendatenbanken der großen Onlinehändler wesentlich interessanter und kompromittierender sein. „Die Bank“ erfährt lediglich, dass man viel bei Amazon bestellt. Ob es sich dabei um Katzenstreu oder Sexspielzeug handelt, weiß im Idealfall nur Amazon. Oder doch eher der kleine Marketplace-Händler bei Amazon mit einer selbst gestrickten Versandabwicklung, die nur mit einem einfachen Passwort gesichert, auf einem Server im Internet hängt?

Ich würde darüberhinaus diejenigen, die ständig das Überwachungsargument vortragen einfach einmal fragen, ob sie bei ihrem Android-Smartphone wirklich alle Ortungsfunktionen abgeschaltet haben. Ansonsten kann man nämlich sehr gut nachvollziehen, wo man wann war:

Sicherlich ist das Datenschutzargument nicht völlig von der Hand zu weisen. Auch, wenn wir heute in der EU Dank der DS-GVO, ein sehr mächtiges Regelwerk haben, so bedeutet dies noch lange keine absolute Sicherheit, da sich insbesondere die großen Onlinegiganten aus den USA in der Umgehung des Datenschutzes sehr kreativ geben. Alleine schon die Frage, was datenschutzfreundliche Voreinstellungen sind, zeigen Android und Google Maps am obigen Beispiel ganz eindrücklich. Das Beispiel oben war für mich auch ein Grund, wieder auf ein iPhone zu wechseln.

Staaten wie Ungarn und Polen zeigen auch eindrücklich, dass selbst in der stark von Bürgerrechten geprägten EU sich Gesellschaften und Staaten ganz schnell verändern können. Die Türkei ist auch so ein Beispiel.  Hier wird es sicherlich auch in Zukunft einiges an Diskussionspotential geben.

Spannend finde ich nur, dass zu den vehementesten Bargeldbewahrern ausgerechnet eine Partei gehört, die die liberale Demokratie ab liebsten abschaffen würde. Ob man sich in der AfD insgeheim auf ein Leben im militanten Untergrund vorbereitet, wo Bargeld nun einmal zur unerlässlichen Grundausstattung gehört?

Enteignung und Negativzinsen

Die wohl beliebteste Form der Enteignung durch den Staat ist ein Währungsschnitt oder die Ausgabe einer neuen Währung. Hauptsächlich davon betroffen sind „die kleinen Leute“, die ihr gesamtes Erspartes entweder auf dem Sparbuch liegen haben oder aber bar unter der Matratze, während die Vermögenden in Unternehmensanteile, Aktien oder Immobilien investieren und nur einen verhältnismäßig kleinen Anteil in Sichteinlagen halten. Diese vielfach auch im Ausland.

Mal ganz abgesehen davon, dass in Deutschland dieses Thema aktuell nicht wirklich auf der Tagesordnung steht, so kommen wir immer wieder an den Punkt, wo man sich mit Themen wie Vermögensaufbau und Altersvorsorge beschäftigen muss. Das Sparbuch ist seit Langem tot und die Enteignung der Sparer findet schleichend durch die Inflation statt. Wer so handelt, verschenkt so oder so Geld.

Ein Angstthema sind auch die immer wieder angeführten Negativzinsen. Das Ganze wird auch durch Denkpapiere bspw. des IWF immer wieder angeheizt. Interessanterweise haben vor diesem Ungeheuer zumeist diejenigen Angst, die eigentlich kaum über nennenswertes Guthaben auf der Bank verfügen.

Dies wird an folgendem Beispiel deutlich:
Bankguthaben: 5.000 EUR
Negativzins p.a. 0,5% = 25 EUR
Negativzins p.a. 2%= 100 EUR

Während wir also alle noch über die drohenden Negativzinsen diskutieren, schauen wir doch mal, wie sich die durchschnittlichen Kontoführungsgebühren, die Energiekosten oder die Mieten in der Zeit entwickelt haben.

Selbst im Falle der letztens irgendwo kolportierten Bargeldauszahlungssteuer von 3% am Geldautomaten wären dies immer noch im Rahmen dessen, was bei einer Bargeldabhebung mit so mancher Kreditkarte an Gebühren anfällt.

Hier wird wirklich eine Sauherde durchs Dorf getrieben und von vielen wirklichen Problemen ablenkt, für die gerade die Populisten nicht ansatzweise sinnvolle Lösungsvorschläge haben.

Mein Fazit

Für fast alle technischen Fragen, die mit dem Wechsel auf mehrheitlich bargeldloses Bezahlen einhergehen, gibt es bereits heute markterprobte Lösungen. Gegen die Ängste hilft nur: Technologie verstehen und reflektiert mit den Herausforderungen umgehen.

Und nein: Niemand will Euch das Bargeld wegnehmen!