26. November 2022

Kommentar: Genossenschaftliche Banken entscheiden sich für Debit Mastercard als Co-Badge

Wie das IT-Finanzmagazin in der abgelaufenen Woche im Rahmen eines Doppel-Interviews berichtete, hat sich das Lager der Volks- und Raiffeisenbanken für ein Co-Badging ihrer girocard mit Debit Mastercard entschieden.

Das sind in soweit erst einmal keine wirklich verwunderlichen Nachrichten, weil das bislang genutzte Co-Badge ab Sommer 2023 nicht mehr ausgegeben werden kann, da Mastercard den Stecker bei Maestro ziehen wird.

Was aus dem Interview leider nicht hervorgeht ist, dass Maestro inzwischen nur noch von 40% der girocards genutzt wird. Abgesehen von ein paar wenigen Karten ganz ohne Co-Badge fällt inzwischen der Löwenanteil von rund 60% auf das vergleichbare Co-Badge V Pay von Visa. Im letzten Jahr gab es mal kurz Gerüchte, dass man bevor man sich mit der Debit Mastercard die kostenpflichtigen Kreditkarten kannibalisiert, sich auch einen Switch in Richtung V Pay vorstellen könne.

Glücklicherweise ist diese Option für die Kundinnen und Kunden derjenigen Volks- und Raiffeisenbanken erst einmal vom Tisch, die bislang Maestro nutzen. Auch wenn man das in einem Interview mit dem Country-Manager von Mastercard, Peter Robejsek, nicht gerade erwarten kann, so sollte man seitens der Volks- und Raiffeisenbanken auch in Bezug auf V Pay und Visa Debit eine Aussage treffen. Und das nicht erst, wenn Visa dem Beispiel von Mastercard folgen wird und ihre „B-Brand“ in Rente schickt.

Die „neue“ Debitkarte als Bollwerk gegen Kundenschwund

Im Rahmen dieses Interviews äußerte sich der Vorstand Donat Asbach von der Allgäuer Volksbank bemerkenswert offen:

„Daher ist es wichtig, dass wir die neue Co-Badge-Lösung mit der Debit Mastercard nun schnell ausrollen, um nicht weitere Marktanteile an Neo- und Direktbanken zu verlieren. Insbesondere die Gen Z, die von Kindesbeinen an mit digitalen Technologien aufgewachsen ist, ist fast immer online. Darauf muss sich auch der Bankensektor einstellen und entsprechende Produkte und Services anbiete“

Herr Asbach greift damit einen Punkt auf, den Kritikerinnen und Kritiker der girocard seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholen: Eine nur am POS einsetzbare girocard ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Das Online-Geschäft ist über viele Jahre nahezu komplett an den deutschen Banken vorbeigegangen und man hat damit zum Einen internationale Unternehmen wie PayPal gefüttert und darüber hinaus seine online-affine Kundschaft den Direktbanken wie der DKB oder Anbietern von kostenlosen Kreditkarten auf dem Silbertablett geliefert. Somit ist dieser Schritt eigentlich seit Jahren überfällig.

Wer sich heute, egal ob bewusst oder „durch Geburt“, für eine Filialbank entscheidet, der akzeptiert damit in nahezu allen Fällen auch Kontoführungsgebühren mit Ende der Ausbildung. Als Gegenleistung sollte man als Kundin oder Kunde erwarten können, dass ein solches Konto mit einer zeitgemäßen Grundausstattung versehen ist. Und dazu gehört nun einmal eine Karte, die man weltweit für Online-Shopping nutzen kann und auch in einer Smartphone-Wallet genutzt werden kann.

Smartphone-Wallets

Wie hinlänglich bekannt, fährt man im genossenschaftlichen Bankenlager verschiedene Strategien für Mobile Payment. Android Smartphones können eine hauseigene Wallet-App nutzen, in der die girocard (ohne Co-Badge) resp. die meist kostenpflichtigen Visa und Mastercard-Kreditkarten hinterlegt werden.

Nachdem man lange mit Apple haderte, hat man in Sachen Apple Pay einen anderen Weg beschritten. Anstelle einer digitalen girocard, stellen die Genossen eine rein mit Apple Pay nutzbare Debit Mastercard zur Verfügung. Kreditkarten von Visa und Mastercard können ebenfalls mit Apple Pay genutzt werden.

Dass man Kundinnen und Kunden mit Apple Geräten keine digitale girocard zur Verfügung stellt, lässt sich immer noch nicht nachvollziehen. Zum Einen halten die Volks- und Raiffeisenbanken wie kaum eine andere Bankengruppe der girocard die Stange und zum Anderen muss sich beim BVR doch jemand angesichts des Erfolgs der Sparkassen mit der digitalen girocard die Frage stellen, wieso man sich hier die Blöße gibt. Eigentlich sollte die Implementierung als Prestigeprojekt gelten und entsprechend vorangetrieben werden. Nun ja.

Klarheit schaffen

Volks- und Raiffeisenbanken sollten schnellstmöglich ihren Kundinnen und Kunden Klarheit verschaffen, wie es mit der Bankkarte weitergehen wird. Idealerweise wird man den Generationswechsel zur Debit Mastercard als Co-Badge auch dafür nutzen, V Pay gleich mit gegen Visa Debit zu tauschen. Dabei sollten die Banken auch auf Zusatzgebühren verzichten, wie sie jetzt von einigen Sparkassen bekannt wurden. Eine nur in Deutschland einsetzbare Karte kann man nur als Knieschuss bezeichnen und dürfte die Abwanderung von Kundinnen und Kunden unterhalb des Rentenalters beschleunigen.

Mobil sollte die neue Bankkarte auf jeden Fall genauso nutzbar sein, wie das Equivalent in Kunststoff, d.h. girocard und Co-Badge müssen transparent in die Apple Wallet und auf Android-Smartphones gebracht werden. Es darf wirklich nicht dem Kunden überlassen werden, an der Kasse Kartenbingo spielen zu müssen.

Nachtrag: Niemand hat die Absicht, die girocard zu virtualisieren

Inzwischen hat ein Twitter-User nochmals nachgefragt, wie es mit der girocard in Apple Pay aussieht und vom BVR folgende Antwort erhalten:

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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