Die Zukunft der GeldKarte

Es gibt wohl kaum ein kartengestütztes Zahlungsverfahren über das hitziger diskutiert wird als die GeldKarte. De facto dürfte es Stand heute mehr Tweets und Forenbeiträge zur GeldKarte geben als Zahlungen mit ebensolcher.

Die Zusatzfunktion der girocard arbeitet nach dem Prepaid-Prinzip. Auf ihr lassen sich bis zu 200€ speichern. Die Aufladung kann inzwischen über eine Vielzahl von Wegen erfolgen: Am Geldautomaten, am POS per PIN oder Abo-Ladeauftrag oder bequem mit einem Android-Handy oder Chipkartenleser am heimischen PC.

Das System wurde speziell für die Bezahlung von Kleinbeträgen an Automaten (ÖPNV, Parken oder Snacks) entwickelt und fristet seit Jahren ein Schattendasein. Nicht, dass nicht die nötigen Akzeptanzstellen da wären. Es fehlt lediglich an der Akzeptanz der Nutzer, denen das Aufladen trotz aller Vereinfachungen zu kompliziert ist.

Jeder hat es sicherlich schon einmal erlebt, dass Leute am Zigarettenautomaten mit der girocard die Altersverifikation durchführen und dann panisch feststellen, dass sie kein Kleingeld haben. Darauf folgen dann meist panische Versuche Geld zu wechseln, die irgendwie an Christiane F. und die Kinder vom Bahnhof Zoo erinnern.

International

In den Niederlanden hat man sich von Chipknip bereits vor einiger Zeit verabschiedet. Das „Pinnen“ auch für Kleinbeträge ist bei unseren Nachbarn längst Alltag. Die Parkautomaten in den meisten Städten erlauben die Verwendung von Maestro und V-Pay per „Dip&Go“ (Stecken, ohne PIN-Eingabe).

Die Österreicher haben ihre GeldKarte „Quick“ erst noch mit einer Kontaktlos-Option versehen, um sie dann einzustellen. Am 31.07.2017 wird damit Schluss sein.

Und in Deutschland?

In Deutschland wird die GeldKarte bei fast jedem ÖPNV-Betrieb und in allen einigermaßen großen Städten an Parkautomaten akzeptiert. Hinzu kommen Schul- und Sparkassen-Kantinen, öffentliche Büchereien, Bürgerämter und viele weitere Akzeptanzstellen. Vielfach ist die GeldKarte die einzige Möglichkeit, dem Bargeldfluch zu entrinnen.

Die Sparkassen haben 2012 noch einmal richtig investiert, um diesem Zombie in der Kontaktlosvariante girogo etwas frisches Leben einzuhauchen.

Heute, vier Jahre nach der Einführung dieses Systems muss man feststellen, dass hier eine Menge Geld versenkt und Zeit verschenkt wurde.

Viele der Akzeptanzstellen der ersten Stunde in der Pilotregion Hannover haben die NFC-Kartenleser abgebaut oder zumindest die girogo-Akzeptanz eingestellt. Nicht zu selten trifft man auch auf Terminals, an denen girogo eigentlich funktionieren müsste, wo aber die Zertifikate auf der sog. Händlerkarte abgelaufen sind.

Das System konnte sich einzig und allein in einigen Sportstadien etablieren und als verbraucherfreundlichere Alternative zu Closed-Loop-Systemen punkten.

Weiterhin gibt es einige Verkehrsbetriebe, die als einzige kontaktlose Option die Zahlung mit girogo anbieten. Nun gut. Die deutschen Verkehrsbetriebe sind vielfach eh zehn Jahre zurück und können in Sachen Payment in den wenigsten Fällen Ernst genommen werden.

Inzwischen haben die Volks- und Raiffeisenbanken für sich die Konsequenzen gezogen und steigen komplett aus der GeldKarte aus. Neue girocards werden zwar mit NFC ausgegeben, aber ohne GeldKarte.

Pragmatismus vs. Dogmatismus

Ich werde immer wieder gefragt, wieso ich mich mit so einem Dinosaurier-System herumschlage. Die Antwort ist deutlich: Wenn die Alternativen Barzahlung oder, wie im Fall von Handy-Parken, deftige Aufpreise sind, dann ist für mich klar, dass ich die GeldKarte wähle.

Nicht zuletzt habe ich auch die Befürchtung, dass Händler, bei weiter so stark rückläufigen Transaktionszahlen mit der GeldKarte, irgendwann dem Beispiel der Deutschen Post folgen und nur noch auf Barzahlung (am Automaten) setzen.

Ich bin mir sicher, dass wenn die in Payment-Dingen sehr behäbigen Deutschen ein Angebot wie die GeldKarte intensiver nutzen würden, vielen Händlern die Investition in zeitgemäßere Systeme leichter fallen würden. De facto sieht es so aus, dass mit der vielversprechenden girocard kontaktlos schon wieder ein System als „der Durchbruch“ verkauft wird. Irgendwann können es die Unternehmer, die im Low-Value-Segment unterwegs sind, einfach nicht mehr hören.

Daher mein Vorschlag: Lasst uns alle fleißig die GeldKarte nutzen und so auch dem Letzten Zweifler zeigen, dass es auch in Deutschland einen Bedarf an bargeldlosen Zahlverfahren gibt.

P.S.: Ich freue mich auf eine spannende Diskussion zum Thema 😉

P.P.S.: Bildquelle http://www.geldkarte.de

4 Gedanken zu “Die Zukunft der GeldKarte

  1. Sehe ich auch so. An der TU Dortmund funktioniert die ganze Bezahlung auch mit Geldkarte (oder GiroGo), was ich allerdings zu meiner damaligen Zeit dort nicht wirklich genutzt habe.

    Ansonsten nutze ich das System eigentlich nur fürs Parken.

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  2. Die dieses Jahr bei uns als Ersatz aufgestellten Parkautomaten akzeptieren… Ja, was wohl? Na klar, einzig und allein Bargeld und sonst nichts. Ich könnte im 20-Kilometer-Umkreis keine einzige Akzeptanzstelle für Geldkarte/Girogo benennen. Und der einzige Laden mit Girocard-/Geldkarte-/Girogo-Aufkleber, eine Apotheke, akzeptiert: Girocard und Bargeld.

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      1. Wobei das wohl eher der letzte Nagel im Sarg war. Es war ja kein boshafter Dolchstoß der VR-Banken gegen die im Felde unbesiegte Kontokarte-mit-Unterunterunterkonto-Lösung GeldKarte.
        Ironisch ist das aber schon, in NL hat man Chipknip abgelöst, als sich eine große Verbreitung von Maestro PayPass abzeichnete. In DE regiert Bargeld oder irgendwelche Insellösungen, die wohl vom Schwund leben.

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