Mit dem Flixtrain nach Hamburg

In den letzten Jahren habe ich schon häufiger den zwischen Köln und Hamburg verkehrenden HKX am Bahnsteig stehen sehen. Mal handelte es sich um einen ziemlich bunt aus ehemaligen Reichsbahn-Beständen zusammengewürfelten Zug, mal kamen ausgeliehene belgische InterCity-Wagen zum Einsatz und es gab auch schon Fahrten mit einem Desiro ML II der Mittelrheinbahn oder Nahverkehrswagen der Nord-Ostseebahn plus Halberstädter Steuerwagen. Nur die ursprünglich mal versprochenen modernisierten ET4020 (allerdings ohne Eigenantrieb) der ÖBB kamen nie aufs Gleis.

Eine Zeit lang hätte ich den Zug auch mit meiner bis Ende 2014 vorhandenen BahnCard 100 kostenlos nutzen können, da er in den Nahverkehrstarif der DB eingebettet fuhr. Aber wie das häufiger so ist, wird man dann doch von der Einstellung überrascht und ist traurig, nicht wenigstens einmal mitgefahren zu sein.

Neustart unter der Marke Flixtrain

Wie schon bei dem in die Insolvenz geschlitterten Unternehmen Locomore hat der Fernbusvermittler Flixbus auch hier zugegriffen und wagt einen Wiederbelebungsversuch. Täglich außer Mittwochs macht sich der inzwischen im grünen Flixbus Design lackierte Zug auf den Weg vom Rhein an die Alster und wieder zurück.

Die Buchung

Tickets für den Zug gibt es auf der Webseite flixtrain.de, die im Grunde nur eine Landingpage für flixbus.de darstellt. Bei der Verbindungssuche werden natürlich auch entsprechende Bus-Verbindungen ausgegeben.

Die Buchung selbst ist kinderleicht und es lässt sich u.a. mit Mastercard, VISA, Paypal oder Lastschrift zahlen. Auf Wunsch erhält man ein Ticket im .pkpass-Format welches sich in die Apple Wallet oder vergleichbare Programme unter Android importieren lässt.

Die Preise für die einfache Strecke beginnen aktuell mit einem Kampfpreis von 9,99€ und sind auch durchaus verfügbar. Ich habe mit einem Vorlauf von fünf Wochen eine Fahrkarte für 14,99€ an einem Samstag erhalten.

Sparpreise der DB für den InterCity (inkl. 25% BahnCard-Rabatt) gehen in der Regel bei 22,40€ los (ohne BahnCard 29,95€). Im Rahmen zeitlich befristeter Aktionen gibt es aber auch Sparpreise mit 14,25€ (19€) so wie aktuell bis Juni für Fahrten zu Nebenzeiten.

Man sollte auch beachten, dass bei Flixtrain kein City-Ticket für den ÖPNV integriert ist. Bezogen auf die Fahrt von Köln nach Hamburg wären das noch einmal weitere 6,20€ (2,90€ KVB Preisstufe 1b, 3,30€ Hamburg AB) die auf den Flixtrain-Preis hinzugerechnet werden müssen. Bei der DB sollte man fairerweise in der 2. Klasse aber noch 4,50€ für die Sitzplatzreservierung hinzurechnen.

Sitzplatzreservierungen gibt es im Flixtrain aktuell nicht. Der Betreiber verkauft nach eigenen Angaben aber nur so viele Tickets, wie es Sitzplätze gibt. Stehen dürfte also nur angesagt sein, wenn mal ein Waggon ausfällt.

Rabatt-Tip:

Aktuell lassen sich mit den „Priceless Specials“ von Mastercard 10% sparen, indem man zehn Coins einlöst. Dort registrierte Kunden erhalten einen Coin pro Zahlung mit Mastercard unabhängig von der Betragshöhe gutgeschrieben.

Ticket-Storno

Bei Flixtrain erhält man im Falle einer Stornierung einen Wertgutschein der ein Jahr gültig ist. Laut Tarifbedingungen soll es Stornierungskosten geben. Da ich einige Tage nach Buchung festgestellt habe, dass ich eine andere Rückroute nehmen muss, habe ich die Rückfahrt storniert und tatsächlich 100% des Fahrkartenpreises gutgeschrieben bekommen. Bei den Sparpreisen der DB fällt eine Stornogebühr von 19€ pro Ticket an.

Der Zug

Der in auffälligem Grün lackierte Flixtrain wird von einer modernen Taurus-Lokomotive gezogen wie sie u.a. auch bei der ÖBB und PKP InterCity im Einsatz ist. Der Wagenpark des Hamburg-Zugs besteht aus unklimatisierten Abteilwagen Bomz und Bomdz mit den bei vielen Bahnfans beliebten Übersetzfenstern („Halberstädter“). Die ursprünglich von der DR (Deutsche Reichsbahn der DDR) beschafften Wagen kamen früher im InterCity-Verkehr der DB und als Sitzwagen bspw. bei Nachtzügen wie dem eingestellten Jan Kiepura nach Warschau zum Einsatz und sind für Geschwindigkeiten bis 200km/h zugelassen.

Da der Zug zumindest heute schon rund 20 Minuten vor Abfahrt bereitgestellt wurde, sollte man also nicht all zu spät am Bahnsteig sein. So kann man sich in Ruhe seinen Platz aussuchen.

WLAN ist im gesamten Zug verfügbar und hinterließ einen recht ordentlichen Eindruck. Wie das in einem voll besetzten Zug dann am Ende aussieht, konnte ich nicht testen. Steckdosen gab es leider noch nicht in jedem Wagen. Reisende in Wagen ohne Stromanschlüsse können sich zumindest zum Laden ihrer Telefone eine Powerbank ausleihen.

Neben der frischen Außenlackierung sehen die Wagen auch im Inneren OK aus. Klar, die Polster zeigen einige Abnutzungsspuren aber alles in Allem wirkt der Zug recht ordentlich. Vom Komfort her würde ich ihn mit der Produktklasse TLK der PKP InterCity vergleichen. Vor einigen Jahren wurden in den Fahrzeugen geschlossene WC-Systeme nachgerüstet, während der Rest des Sanitärraumes noch den Charme osteuropäischer Schnellzüge versprüht.

An Bord werden Getränke und kleinere Snacks verkauft. Dazu gibt es im hinteren Zugteil wohl eine Verkaufsecke. Mangels Bedarf habe ich das Angebot nicht testen können und weiß daher auch nicht, ob man dort bargeldlos bezahlen kann.

Die Fahrt an sich verlief völlig unspektakulär. Trotz baubedingter Umleitung über die Ratinger Weststrecke und polizeilichen Ermittlungen in Osnabrück erreichten wir den Hamburger Hbf mit nur wenigen Minuten Verspätung. Der Zug war gut ausgelastet aber nicht überfüllt.

Das Zugteam war gut gelaunt und gab die Anzahl der Reisenden mit 530 an, bei denen man sich auch dafür bedankte dass sie nicht die DB gewählt haben 😉

Ernstzunehmender Wettbewerb?

Als Flixbus die Übernahme der ehemaligen HKX-Verbindung angekündigt hat, geschah dies mit ziemlich viel Tamtam in den Medien. Mal wieder sollte jemand der DB das Fürchten lehren. Mit einem einzelnen Zugpaar das an sechs Tagen in der Woche verkehrt, dürfte das normalerweise eher als Kuriosum durchgehen. Zum Vergleich: Die DB Fernverkehr betreibt pro Tag um die 1300 Verbindungen.

Mit dem Kooperationspartner LEO Express aus Tschechien, der als EVU fungiert und im Heimatmarkt eine durchaus ernst zu nehmende Rolle als Betreiber im Fernbus und Bahnmarkt inne hat, dürfte man durchaus genügend Kapital im Rücken haben um in Zukunft auf in neue Verbindungen und Fahrzeuge zu investieren.

Das viel genutzte Buchungsportal von Flixbus wiederum generiert Aufmerksamkeit für das Produkt Flixtrain und merzt somit einen wesentlichen Nachteil des alten HKX aus, dessen Betreiber sich vertrieblich benachteiligt sahen. In dem Zusammenhang spannend: Während Flixbus und die DB-Angebote auch via goeuro.de auffindbar sind, wird der Flixtrain weder in der Kategorie Zug noch bei den Bussen angezeigt.

Durch die Verknüpfung mit den Busangeboten von Flixbus gewinnt das Angebot insgesamt an Attraktivität. Problematisch ist jedoch, dass der Startpunkt Köln Hbf aktuell nicht von Fernbussen angefahren werden darf. Ein zusätzlicher Halt in Leverkusen-Mitte dürfte aufgrund der Streckenauslastung nur schwer zu realisieren sein. Die Verlegung der Kölner Halte nach Deutz und Köln/Bonn Flughafen (Flixbus-Haltestelle) wäre auch eine Option.

Ein Angebot mit dauerhaft günstigen Preisen auch für Gelegenheitsfahrer ohne BahnCard zu implementieren ist im Interesse des Verkehrsträgers Schiene eine lobenswerte Sache und wird von vielen Verkehrsfachleuten immer wieder gefordert. Erfolgt dies dazu noch eigenwirtschaftlich, so kann man das nur unterstützen. Etwas älteres Rollmaterial tut der Sache dabei keinen Abbruch.

Fazit

Aus Fahrgastsicht ein durchaus ordentliches Produkt in sofern man mit der aktuellen Einschränkung auf eine Verbindung pro Tag leben kann. Wie der Betreiber im Störungsfall mit dem Thema Fahrgastrechte -insbesondere der Erstattung von ersatzweise erworbenen DB-Fahrkarten zum Flexpreis – umgeht, wird sich zeigen müssen. Insbesondere die Verbindung Stuttgart-Berlin (ex Locomore) wird ja immer wieder mal von Problemen heimgesucht.

Schade nur, dass der Flixtrain aktuell noch an Bremen vorbeifährt.