Auf den Spuren von Raimund Gregorius: Mit dem Nachtzug nach Lissabon

Ticketbuchung und Kosten

Wer eine solche Reise unternimmt sollte sich schon darauf gefasst machen, dass diese um ein Vielfaches teurer wird, als mit einer Billigfluglinie:

  • Thalys: Köln Hbf -> Paris Gare du Nord (ab 06:44, an 10:05) [2. Klasse, 49€]
  • TGV: Paris Gare de Montparnasse -> Hendaye (ab 12:48, an 17:35) [1. Klasse, 55€]
  • Trenhotel: Hendaye -> Lisboa Santa Apolonia (ab 18:35, an 07:20) [Cama Gran Clasa, 1. Klasse, Einzelabteil, 201,50€]
  • Trenhotel: Lisboa Santa Apolonia -> Hendaye (ab 21:25, an 11:33) [Cama Gran Clasa, 1. Klasse, Einzelabteil, 201,50€]
  • TGV: Hendaye -> Paris Gare de Montparnasse (ab 13:12, an 18:13) 1. Klasse, 31€
  • Thalys: Paris Gare du Nord -> Köln Hbf (ab 11:55, an 15:15) 2. Klasse, 35€

Inzwischen lassen sich alle Verbindungen mehr oder minder bequem bei den jeweiligen Bahngesellschaften (Thalys, SNCF, RENFE) online buchen und auch mit einem Handyticket nutzen.

Lediglich die bei der SNCF gebuchte Schlafwagenverbindung auf der Hinfahrt erforderte ein gedrucktes Ticket. Dieses konnte man wahlweise an einem SNCF-Automaten abholen oder per Post zustellen lassen.

Alternativ hätte ich aber auch bei der RENFE zum gleichen Preis buchen können. Spannenderweise hat die SNCF das Ticket fuer die Hinfahrt mit Zugbindung und ohne Umbuchungsmoeglichkeit versehen, waehrend die RENFE das Ticket als „Flexible“ ausgestellt hat.

Elektronische Tickets werden als .pkpass-Dateien bspw. für die Apple Wallet bereitgestellt:

Vorbuchungsfristen:

  • Thalys: Buchung 95 Tage vorher erfolgt
  • TGV: 90 Tage im Voraus
  • Renfe Trenhotel: Ca. zwei Monate vorher buchbar

Gerade beim Trenhotel sind die Vorbuchungsfristen wechselnd und folgen nur grob der Zweimonatsregel. Wer nicht ständig online schauen möchte, aber sicher gehen möchte eine Karte zu erhalten, nutzt besser spezialisierte Bahnreisebüros wie Gleisnost in Freiburg.

Stückelung und Fahrgastrechte:

Inzwischen lassen sich sogar durchgehende Tickets bei der SNCF für die Strecke buchen, man muss sich allerdings auf eine Klasse für die ganze Strecke festlegen und hat lediglich beim Schlafwagenzug Auswahl auf die Belegung.

Zum Vergleich: Die Hinfahrt komplett in der 1. Klasse wird für 321,50€ für November angeboten. Gestückelt kostet mich die Strecke 305,50€ wobei die Thalys-Fahrt in der 2. Klasse stattfindet.

Bzgl. der Geltendmachung von Fahrgastrechten fährt man mit einem Ticket für die Gesamtstrecke auf der sichereren Seite.

Teilstrecke 1: Köln Hbf nach Paris Gare du Nord (2. Klasse):

Die erste Teilstrecke erfolgte mit dem allseits bekannten Thalys. Die Abfahrt erfolgte mit rund 25 Minuten Verspaetung, da der Zug aufgrund von Vandalismusschäden umgeleitet wurde. Wie sich später herausstellte, haben Abschiebungsgegner Teile der Signalkabel zerstört. Ob jemals eine Abschiebung mit einem Zug begann, wage ich zu bezweifeln.

Die Abfahrt verzögerte sich zusaetzlich durch Amateurbahnfahrer, denen das Konzept zügig einsteigen und Platz machen, nicht bekannt zu sein schien. Irgendwann reichte es auch dem frankofonen Zugchef, der wenig charmant zur Eile aufrief.

Obwohl der Zug gut gefüllt war, reichten die Gepäckfaecher im Gang und oberhalb der Sitze aus.

Mit am Ende rund 30 Minuten Verspätung erreichten wir Paris Gare du Nord. Angesichts des absichtlich eingeplanten Puffers fuer den Übergang zum Gare Montparnasse, war dies kein Problem.

Die Metrolinie 4 führt direkt vom Gare du Nord zum Gare Montparnasse. Aber zuvor muss man sich erst einmal eine Fahrkarte beschaffen. Diese hätte man auch im Bistro des Thalys kaufen können, aber irgendwie war ich zu faul, von meinem Platz aufzustehen. Also hiess es, erst einmal in eine der Schlangen vor den viel zu wenigen Ticketautomaten einreihen.

Leider scheinen viele Menschen mit den Geräten überfordert zu sein. Jedenfalls dauerte jeder Kaufvorgang endlos lang. Ich selbst habe in unter einer Minute meine Fahrkarte (1,90€) erworben und mit Mastercard per Chip&PIN bezahlt. Profi halt.

Die Metro benötigte ca. 20 Minuten bis zum Gare Montparnasse. Angenehm fand ich, dass die RATP alle Ansagen im Zug dreisprachig (FR, EN, ES) gestaltet hat.

Teilstrecke 2: Paris Montparnasse nach Hendaye (1. Klasse):

Trotz der Verspätung hatte ich noch genügend Zeit, um eine Kleinigkeit am Bahnhof zu Essen. Da am Easy-Order Terminal des oertlichen McDonalds keine meiner Mastercards akzeptiert wurden und die dortige Belegschaft nicht gerade bemüht war, Gäste zu bedienen, habe ich mich stattdessen zu einem Baguettestand aufgemacht. Das war sicherlich eine weise Entscheidung.

Da es danach immer noch galt, eine Stunde Wartezeit zu überbrücken, habe ich die Lounge aufgesucht. Der „Grand Salon Voyageur“ befindet sich neben Gleis 4 in der ersten Etage. Mit meinem Ticket der ersten Klasse wurde mir zunächst der Zutritt verwehrt. Hierzu benötigt man ein Ticket vom Type „Business Premier“. Allerdings verschuf mir meine Bahncard mit bahn.comfort-Status dann doch Zutritt.

Die Lounge selbst war sehr modern eingerichtet und man legte sehr viel Wert auf die Möglichkeit, dort arbeiten zu koennen. Es gab viele Plätze mit Steckdosen und bequemen Stühlen. Das gastronomische Angebot hingegen, beschränkte sich auf Kaffee und Tee. In sofern sind die Lounges der Deutschen Bahn sicherlich etwas vorteilhafter.

Die Reise sollte mit einem TGV Duplex fortgesetzt werden. Mein Platz befand sich im Unterdeck des Zuges. Sitze und Tisch fand ich ausreichend bequem. Leider leidet der Zugtyp unter der gleichen Krankheit wie die roten Dostos von DB Regio. Oberhalb der Sitze gibt es nur minimalen Platz für Gepäck. Das „Handgepäck“ soll man unterhalb der Sitze verstauen, was natürlich einiges an Beinfreiheit nimmt. Das Gepäckrack am einzigen Zugang zu diesem Teil des Waggons war bereits hoffnungslos überfüllt. Beim nächsten Mal sollte ich definitiv früher boarden!

Der Zug fuhr zunächst zwei Stunden und acht Minuten non-stop und erreichte danach das rund 590km entferne Bordeaux. Dazwischen gab es weder ein Montabaur noch ein Limburg (Süd). Der letzte Teil der Strecke verlief dann etwas gemächlicher, bevor wir nach 4:45 ueberpünktlich den Grenzbahnhof Hendaye erreichten.

Fazit zum TGV Duplex: Nicht zuviel Gepäck mitnehmen. Ansonsten durchaus akzeptabel. Was mir persönlich sehr fehlte, war der Am-Platz-Service in der 1. Klasse. Die Wagenübergaenge sind nicht gerade so gestaltet, als dass man als Ungeübter mit Essen und Getränken mehrere Waggons weit balancieren möchte. Schade, denn so hat die SNCF auf Umsatz von mir verzichten müssen. Das Bistro werde ich auf der Rückfahrt noch testen.

Der Bahnhof in Hendaye ist vom Gebäude her recht schick renoviert. Allerdings hält sich das Service-Angebot in engen Grenzen. Neben einem Reisezentrum, einigen Fahrkartenautomaten gibt es noch einen kleinen Relay-Store, wo man Getränke, Zeitschriften und eher mau schmeckende Baguettes erwerben kann.

Im Gebäude selbst gibt es nicht einmal einen Geldautomaten. Dazu muss man raus aus dem Bahnhof und sich schräg links halten. Da mir bereits angedroht wurde, dass der Barwagen im Trenhotel nur Bargeld akzeptiert, galt es das Portemonnaie aufzufüllen.

Ausserhalb gibt es einiges an Gastronomie, von deren Hygienevorstellungen aber einige andere Bahnfahrer bereits abenteuerliches berichtet haben.

 

Die Gleisanlagen von Hendaye zeugen noch von mehr Verkehr. Hier kommen iberische Breitspur und europäische Normalspur zusammen. Vor dem Gebäude verkehrt weiterhin die meterspurige S-Bahn Euskotren, die die eigentliche Verkehrslast zwischen beiden Bahnhöfen traegt. Bis auf das Nachtzugpaar nach Lissabon findet hier kein grenzüberschreitender Personenverkehr mehr statt. So ist dann auch der Pausenraum der RENFE inzwischen verlassen. Die vormals vorhandene Spurwechselanlage ist ebenfalls nicht mehr in Betrieb.

Insgesamt ein recht trauriger Anblick, zumal auf der anderen Seite der Stadt, die den Namen Irun trägt viele Verbindungen zu anderen spanischen Städten existieren. Die Normalspur reicht im Übrigen auch bis dort hin. Früher verkehrten die TGV teilweise auch über die Grenze. Allerdings hat der TGV Duplex wegen des etwas grösseren Lichtraumprofils bislang keine Zulassung um die letzten 2km zu befahren.

Nicht nur wegen der Besonderheit einer geteilten Stadt koennte man meinen, dass man sicht in Görlitz/Zgorzelec befindet. Grenzüberschreitende Verkehre scheinen also auch andernorts am Willen der Beteiligten zu scheitern.

Gegen 18:15 wurde der aus Talgo-Wagen bestehende Surexpress dann bereitgestellt. Eine E-Lok der RENFE fuhr den Wagenpark zum Abfahrtsgleis und setzte dann um. Äusserlich hat der Zug schon bessere Zeiten gesehen.

Im Inneren des Zuges regierten Rosa und Grün. Das „Cama Gran Clasa“-Abteil verfügt über zwei Betten, sowie eine Nasszelle mit WC, Dusche und Waschbecken. Wenn man sein Gepäck nicht gerade oben auf der Ablage verstauen möchte (und ggf. von herabfallendem Gepäck erschlagen werden möchte), steht dieses unweigerlich im Wege herum. In sofern ist es auch zu empfehlen, alle Utensilien fuer die Nacht und den nächsten Morgen griffbereit in einer Aussentasche des Koffers oder Reisetasche zu halten.

Nachdem alles verstaut war ging es erst einmal in den benachbarten Barwagen. Die Speiseauswahl war am Reisetag arg eingeschränkt. Ich konnte zwischen Fisch und Steak waehlen. Fuer 13€ gab es drei dünne und frisch gebratene Stücke Rindfleisch begleitet von Reis, Möhren und Brokkoli. Im Preis inbegriffen war eine Hühnersuppe als Vorspeise und eine Creme mit Biskuits als Desert. Begleitet wurde dieses Festmahl von drei Dosen Superbock-Bier. 0,33l kosten 2€.

Im Inneren des Zuges geht es eher beengt zu. Die Gänge in den Waggons und besonders die Übergänge erinnern eher an ein U-Boot als an einen Reisezug. Der Nachtzug wird neben Tf und Bar-Mitarbeiter nur von einem Zugchef begleitet. Dieser residiert in einem der Koepfe der Talgoeinheit. Das senkt natuerlich die Kosten.

Das Bett wiederum war sehr bequem. Die eher mässige Geschwindigkeit (Wagenpark fuer max. 180km/h zugelassen) und das recht regelmäßige Schaukeln des Zuges liessen mich Dank meiner Ohrstöpsel so gut schlafen, wie noch nie in einem Nachtzug.

Ich bin gegen sechs Uhr Ortszeit aufgestanden und hatte noch genügend Gelegenheit um gemütlich zu Duschen und noch einen Kaffee im Barwagen (1,10€) zu mir zu nehmen. Dann fuhr der Zug im Bahnhof Lisboa-Oriente (Ostbahnhof) ein.

Die luftige Dachkonstruktion ist schon beeindruckend. Leider ist der Rest des Bahnhofs eher als dunkles Loch zu bezeichnen. Aber das sollte mir egal sein. Erst einmal ging es zur Metro, mit der ich ohne Umsteigen zu meinem Hotel fahren konnte.

Fazit der Hinreise:

Mit 25,75 Stunden kann eine solche Reise in Bezug auf die Fahrzeit natürlich nicht mit dem Flieger mithalten. Auch preislich ist man weit vom Niveau der Billigflieger entfernt. Allerdings ist es schon ein Erlebnis das ich nicht missen möchte.

Die Reise beginnt mit eher nüchternen Businesszügen und Hochgeschwindigkeit, bevor man dann 1300 km von der Heimat entfernt, Gelegenheit hat in eine längst vergessene Welt des Reisens einzutauchen.

Um ehrlich zu sein, sollte die RENFE aber in die Erhaltung und Modernisierung des Wagenmaterials investieren, damit diese Verbindung nicht auch irgendwann gestrichen wird.

…wird fortgesetzt…