1. Dezember 2020

Wie Paylinks Kleinunternehmern in der Krise helfen können

Im privaten Umfeld gibt es die sog. „Paylinks“ schon eine ganze Weile. Egal, ob man für ein gemeinsames Geburtstagsgeschenk sammelt oder aber den Anteil am gestrigen Kneipendeckel (die Älteren unter uns erinnern sich zwei Aspirin später) begleichen möchte: Eine ganze Reihe von Unternehmen bieten Tools an, mit denen man per E-Mail, WhatsApp oder SMS Geld anfordern oder versenden kann.

PayPal P2P

Der bekannteste, in Deutschland aktive Anbieter ist zweifelsohne PayPal mit dem Dienst PayPal.me. Darüber hinaus bieten einige Banken und Bankengruppen vergleichbare Lösungen an (Kwitt, Paydirekt, bunq.me, RevMe, Moneybeam etc.pp.). Die in dem Bereich tätigen Fintechs sind inzwischen (fast) alle verschwunden oder wurden von Banken aufgekauft.

Wie können kleine und mittlere Unternehmen davon profitieren?

Viele Restaurants, Bistros aber auch kleinere Händler starten gerade erstmalig mit Lieferservices, Fensterverkäufen oder Gutscheinangeboten um sich über Wasser zu halten.

Im Falle der Restaurants könnte man sich fragen, warum sie nicht einfach auf Lieferando setzen. Dabei sollte man nicht außer Acht lassen, dass die Steuerersparnis (7% statt 19% Umsatzsteuer auf Außer-Haus-Verkäufe) deutlich unter den kolportierten 14%-17% Provision für Lieferando liegt, die Kosten für die Lieferung hinzukommen und der margenträchtige Getränkeverkauf wesentlich geringer ausfallen dürfte.

Die Internetaktivitäten vieler Restaurants die ich in der Vergangenheit besucht habe, reduzierten sich auf eine vor Jahren gestaltete Webseite mit einer Speisekarte (mal als Image, mal als PDF) und dem Hinweis, dass man für die Wochengerichte doch bitte anrufen möge. Ähnliches gilt auch für viele Präsenzhändler und Dienstleister.

Die allermeisten aus dieser Gruppe dürften nicht ohne externe Hilfe in der Lage sein, in einer psychisch belastenden Lage, in Nullkommanix einen Webshop und eine Bestell-App an den Start zu bringen, auch wenn es dafür eine Vielzahl von Dienstleistern gibt, die so etwas zu Festpreisen anbieten. Die in der Fläche vertretenen Sparkassen bieten diese Dienstleistung bspw. schlüsselfertig über Partner an. Aktuell sogar mehrere Monate kostenlos.

Was aber aktuell bei vielen ganz gut funktioniert ist die Arbeit über Social Media. Dort werden auf einmal regelmäßig Wochen- und Tageskarten veröffentlicht, Bestelltelefonnummern oder WhatsApp-Bestellannahmen propagiert und das Ganze wiederum in Stadt- und Stadtteilgruppen geteilt. Zusammen mit engagierten Nachbar*innen und Stammgästen versucht man Alles, dass wir in Zukunft wieder in der Stammkneipe oder beim Lieblingsitaliener unsere Abende verbringen können.

In Zeiten von Covid-19 erfährt das bargeld- und kontaktlose Bezahlen einen riesigen Aufmerksamkeits- und Akzeptanzschub. Da ist es natürlich nur logisch, dass man auch bei Lieferservices oder Fensterverkauf auf Abstand bleiben möchte. Genau hier steckt aber der Teufel im Detail und da kommen die Paylinks ins Spiel.

Terminalausstattung als Bremse

Die meisten Unternehmen, deren Verkauf ausschließlich in den eigenen Geschäftsräumen stattfand, verfügen i.d.R. über Terminals die wahlweise über LAN-Kabel oder WLAN angebunden werden.

Wer nun erstmalig einen eigenen Lieferservice anbietet, muss sich etwas einfallen lassen. Auch wenn plötzlich fünf Leute aus der Familie ausliefern und das Bistro lediglich ein Terminal gemietet hat, ist ganz schnell Schluss mit der kontaktlosen Lieferung.

Die bekannten mPOS-Terminals von SumUp und iZettle haben darüber hinaus den Nachteil, dass sie mit älteren girocards ohne kontaktloses Co-Badge nur gesteckt genutzt werden können. Auch ist die Bedienung über eine Handy-App für viele Zeitgenossen eine Herausforderung. Mal ist Bluetooth deaktiviert und mal hat das Mobiltelefon im Hausflur keinen Empfang.

Egal, ob die Lieferung nun an der Haustüre erfolgt oder aber durch ein geöffnetes Fenster vom Gastraum: Es geht Zeit dabei drauf. Zeit, in der das Essen der nächsten Gäste kalt wird oder die Schlange auf dem Bürgersteig immer länger.

Eine Möglichkeit dies zu umgehen, sind Paylinks. Der Kunde bestellt via Telefon, E-Mail oder WhatsApp. Der Anbieter verschickt darauf hin einen Link mit dem korrekten Betrag, den der Kunde um Trinkgeld erhöhen kann. Die Bezahlung erfolgt über eine Webseite in die der Kunde seine Karten- oder Kontodaten eingeben kann oder die Zahlung per PayPal vornehmen kann.

Vorteil für den Kunden: Das Ausfüllen der Daten kann in Ruhe zuhause erfolgen.

Vorteil für den Lieferdienst: Der Kunde zahlt quasi vorab. So lassen sich bspw. größere Scherzbestellungen vermeiden, da erst gekocht und zugestellt wird, wenn das Geld eingegangen ist.

Welche Anbieter gibt es aktuell?

Im privaten Umfeld gibt es sicherlich noch einige mehr, aber hier schon einmal eine Auswahl der mir bekannten Anbieter, die dies für Händler in Deutschland anbieten:

Fazit

Mit dem richtigen Anbieter ist der Versand von Paylinks eine interessante Alternative für Gastronomen, die sich erstmalig mit Lieferservices und Take-Away auf Vorbestellung beschäftigen.

Auch Handwerksbetriebe können ihren Kundinnen und Kunden so eine schnelle Bezahlmöglichkeit abseits der klassischen Kartenterminals und Überweisungen bieten. In Verbindung mit Echtzeitbenachrichtigungen über den Erhalt einer Zahlung eignet sich so ein System auch für Warenlieferungen oder Montagetätigkeiten.

Wichtig dabei ist, dass ein solches System für beide Seiten bequem in der Benutzung ist. Gerade die Art und Weise, wie End-user ihre Zahlungsdaten erfassen, sind für die Akzeptanz auf Kundenseite maßgeblich.

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

Alle Beiträge ansehen von Marc-Oliver Schaake →
%d Bloggern gefällt das: