26. November 2022

girocard im E-Commerce: Neue Funktion für Android Smartphones

Einer der großen Kritikpunkte an der girocard war, dass sie sich im E-Commerce nicht einsetzen ließ. Das galt mit einer Ausnahme nach wie vor: Die Sparkassen starteten im letzten Jahr über die Integration der girocard in Apple Pay einen ersten Schritt. Dort, wo es Shopbetreiber und PSP unterstützen, lässt sich mithilfe der girocard in Apps und im Safari-Browser auf dem Mac bezahlen. Aktuelle iOS-Versionen unterstützen die Bezahlung auch in anderen Webkit-Browsern.

Seit einigen Tagen gibt es eine weitere Möglichkeit, mit der girocard online zu bezahlen. Hierbei wird die Transaktion über die Bezahlart giropay im Shop angestossen und bspw. in der App „Mobiles Bezahlen“ auf dem Android-Smartphone freigegeben. Neben den Sparkassen unterstützen auch die Volks- und Raiffeisenbanken die neue Funktion.

girocard? giropay? Paydirekt?

Die in der DK organisierten Banken haben sich dazu entschieden, ihre verschiedenen Bezahlverfahren unter dem Namen „giropay“ zu bündeln. Das gemeinsame Logo besteht dann auch aus diesem Namen und dem vom girocard-Logo bekannten PIN-Pad.

Hinter der neuen Marke verbergen sich nunmehr das alte, aber etablierte giropay (Bezahlen mit Online-Banking Zugangsdaten und TAN), das wirklich gut funktionierende, aber wenig erfolgreiche Paydirekt (Bezahlen mit E-Mail-Adresse und Kennwort) und last but not least jetzt die girocard.

Im Fall von aufladen.de werden auch alle drei Bezahlwege angeboten. Die Deutsche Bahn ist hingegen noch nicht dabei. Dennoch besteht die Aussicht, dass bald mehr Webshops und Apps diese Bezahlart anbieten werden, zumal für die reine Online-Akzeptanz die technischen Hürden für neue girocard-Netzbetreiber gesenkt wurden.

Ob man wirklich für alle Zeiten drei parallele Systeme weiter betreiben möchte, weil Bank A bei Verfahren B und Bank D bei Verfahren C nicht mitmacht, darf jedoch bezweifelt werden. Zumal dann, wenn neben der Technik auch noch unterschiedliche vertragliche Rahmenbedingungen und Konditionen für die Abwicklung im Raum stehen.

Der erste Praxistest

Für den Test habe ich den Webshop „aufladen.de“ verwendet, bei dem sich Codes für verschiedene Mobilfunk- und Geschenkkarten online beziehen lassen. Ein Vorteil dieses Anbieters ist, dass man komplett ohne Registrierung auskommt. Einfach den Wunschgutschein klicken (ich habe mich für 10€ Amazon-Guthaben entschieden), E-Mail Adresse eingeben und die Zahlungsart wählen.

Auf dem Smartphone erscheint nach dem Klick auf das giropay-Logo eine Zwischenseite, bei der geprüft wird, ob eine kompatible App installiert ist. Danach empfängt das Smartphone eine Push-Nachricht, die direkt auf die Freigabeseite in der App Mobiles Bezahlen führt. Nach erfolgter Freigabe, die in unter einer Sekunde erfolgte, wird man zurück in den Shop geleitet. Das wars.

Zahlung per girocard am Smartphone

Mit dem Desktop-Browser erhält man einen Dialog, der auf die Möglichkeit Freigabe über das Smartphone hinweist. Alternativ kann man eine der anderen Bezahloptionen wählen.

Dies ist die einfachste Form der Zahlungsfreigabe. Hier kommt zum Tragen, dass ich für die Bestellung die gleiche E-Mail Adresse verwendet habe, wie ich für die Registrierung damals bei Paydirekt verwendet habe.

Nehme ich hingegen eine andere E-Mail Adresse muss ich einmalig den Bezahlweg (im Grunde Paydirekt, giropay oder die girocard) und die zu verwendende App auswählen. Abhängig davon, ob ich mich auf einem Smartphone oder dem Desktop befinde, wird ein Zahlencode oder ein QR-Code angezeigt. Den Code muss man dann mit der Bezahl-App auf Android scannen oder eingeben und kann dann die Zahlung freigeben. Das Endgerät merkt sich diese Einstellung solange, bis die Browserdaten gelöscht werden oder man in den Inkognito-Modus des Browsers wechselt.

Mit bereits bestehender Verbindung ist die Bezahlung also kinderleicht und mit der Freigabe einer Überweisung per pushTAN zu vergleichen. Komfortmäßig bewegt man sich da schon auf einem sehr hohen Level.

Das erstmalige Verbinden mit der App zur Freigabe ist ebenfalls einigermaßen simpel gehalten. Kundinnen und Kunden genießen mit allen drei Verfahren einen Käuferschutz.

Fazit

Für die girocard ist das neue Verfahren ein weiterer Schritt in Richtung Online-Fähigkeit. An diesem Punkt muss man aber auch ehrlich sagen, dass es im E-Commerce in Deutschland kein Bezahlproblem gibt. Kundinnen und Kunden haben momentan die Wahl zwischen rund einem Dutzend verschiedener Verfahren. In sofern ist das Bezahlen mit der girocard im Netz kein Selbstläufer. Dass so etwas trotz einer gut funktionierenden Plattform selbst mit immensem Marketingaufwand schief gehen kann, hat Paydirekt in den letzten Jahren bewiesen.

Mit der neuen Möglichkeit online zu bezahlen, wurde ein großes technologisches Hindernis in Bezug auf die girocard abgeräumt. Neben der Akzeptanz auf Händlerseite und weiteren Banken, die ihren Kundinnen und Kunden eine digitale girocard via Android-App anbieten müssen, bedarf es aber auch auf der Kommunikationsebene noch einiger Arbeit. Da die übergroße Mehrheit auch 14 Jahre nach Einführung der Marke girocard noch „EC-Karte“ sagt, darf man getrost bezweifeln ob jemand hinter einem „giropay“-Logo die Bezahlung mit seiner Bankkarte erwartet. Aber bitte nicht, wenn man iOS nutzt. Denn da muss Apple Pay gewählt werden. So es der Händler denn anbietet. Es sei denn, jemand kommt auf die Idee, hier eine weitere App ins Rennen zu schicken oder eine bestehende aufzubohren.

Aus diesem bunten Blumenstrauß an Optionen etwas zu bauen, was wie ein Produkt aus einem Guss wirkt und den Kunden schmackhaft zu machen, dürfte eine echte Herausforderung werden. Mit Ausgabe der neuen Generation von girocards mit Visa oder Mastercard Co-Badge,  hätte man die ideale Gelegenheit zum großen Markenrelaunch. Ein markanteres Logo, eine gut erzählte Story und ein pfiffiger Claim wären angebracht. Dass die einzelnen Issuer in ihrer eigenen Kommunikation gegenüber den Endkunden von SparkassenCard, VR BankCard etc. reden, zeigt dass die wahre Herkulesaufgabe jedenfalls keine technologische mehr ist.

Marc-Oliver Schaake

Lotus / IBM / HCL Notes Professional Mag Reisen mit dem Zug, insbesondere mit Nachtzügen Kartenzahler seit 1987

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