Kommentar: Genossen verschieben Apple Pay-Launch in letzter Minute

Die Einführung von Apple Pay in Deutschland war nun wahrlich keine einfache Geburt. Um so länger waren die Gesichter der Kundinnen und Kunden der beiden größten Bankengruppen in Deutschland, als ihnen klar wurde, dass sich unter den Launchpartnern im Dezember 2018 zwar neben den „üblichen Verdächtigen“ wie N26 und bunq, ausgerechnet die nicht gerade als hippe Fintechs zu bezeichnende Deutsche Bank nebst der HypoVereinsbank befanden, allerdings jedoch weder Volks- und Raiffeisenbanken noch die Sparkassen.

In Folge dessen versuchte man sich bei BVR und DSGV an einer Verteidigungsstrategie, an der weltweit schon so viele Banken gescheitert sind. Und das vor den Augen der Öffentlichkeit in den sozialen Medien nachvollziehbar. Selbst, wer es jetzt nicht so mit den Twitter & Co hat, muss von Barclays UK gehört haben, die sich neun Monate lang ein ziemlich unwürdiges Schauspiel geleistet haben, bevor sie sich den nicht enden wollenden Kundenbeschwerden gebeugt hatten. Und das in einem ausgeprägt digital-affinen Markt.

Glücklicherweise hatte man hierzulande schneller ein Einsehen. Nach den ersten positiven Meldungen im Frühjahr, verkündeten beide Bankengruppen, dass es noch in 2019 mit Apple Pay bei ihnen losgehen soll. Der BVR postete auf Twitter hierzu:

Danach wurde es bei beiden wieder etwas ruhiger. Einzig die Info, dass die Unterstützung der girocard zwar ab 2020 geplant sei, man aber mit Mastercard und VISA-Karten starten werde, unterbrach die Stille für einen Augenblick. Auf der Produktseite bei Apple füllte sich der Bereich mit den Logos derjenigen Banken, die noch in 2019 Apple Pay einführen werden. BVR und Sparkassen glänzten hier weiterhin mit Abwesenheit.

Die Sparkassen haben im November ihre Launch-Kampagne gestartet und wurden seitdem auch auf der Apple Pay-Webseite für „in 2019“ (inzwischen in „demnächst“ geändert) gelistet. Von den Genossen weiterhin keine Spur.

Das zeitliche Zusammenfallen mit der in das Geldwäschegesetz eingeschmuggelten Öffnungsverpflichtung für Zahlungsinfrastrukturbetreiber befeuerte eine ganze Reihe von Verschwörungstheorien. Die Bandbreite erstreckte sich dabei von der Vermutung, dass man einen Rückzieher gemacht habe und auf eine hauseigene Lösung setzen wolle, bis hin dazu, dass „Apple nun böse auf uns sei, und Deutschland Apple Pay wieder wegnehmen würde“.

Nun gut, man muss nicht jeden Quatsch glauben, aber auch die einem NDA geschuldete Stille, bietet mehr als genug Raum für Spekulationen.

So verwunderte es mich nicht wirklich, als heute dieser Tweet in meiner Timeline auftauchte:

Auf dem Silbertablett

Man muss sich nur einmal für einen Moment in seine Kundinnen und Kunden hineinversetzen, um zu erkennen, wie groß Enttäuschung und Blamage sind.

Ignoriert man mal diejenigen, die in den letzten zwölf Monaten den genossenschaftlichen Banken komplett den Rücken gekehrt haben, so dürfte es nicht zu wenige Kundinnen und Kunden geben, die die Wartezeit auf Apple Pay bei ihrer Bank mit Karten und Konten bei Drittanbietern überbrückt haben.

Wer gehofft hat, noch vor Weihnachten Prepaid-Lösungen wie VIMpay oder boon endlich begraben zu können, dürfte einfach nur enttäuscht und sauer sein. Es kann durchaus möglich sein, dass sich große Teile dieser Gruppe von ihrer bisherigen Hausbank abwenden und eines der vielen inzwischen verfügbaren Kontoangebote mit Apple Pay für sich entdecken wird oder sich aber endlich dazu durchringt, eine der kontounabhängigen Kreditkarten bspw. der Hanseatic Bank oder American Express zu beantragen.

Noch viel bitterer dürfte es bei denjenigen Kundinnen und Kunden aussehen, die zur Überbrückung der Wartezeit auf vollwertige Kontoprodukte wie bspw. von der DKB oder N26 gesetzt haben. Diese Gruppe wird sich sicherlich die Frage stellen, wofür sie noch bei einer Bank Kontoführungsgebühren und Gebühren für eine Kreditkarte bezahlt, wo doch das temporäre Zweitkonto vermeintlich alle Leistungen erbringt.

Wer jetzt nicht gerade kurz vor dem Abschluss eines Immobilienkredits steht oder den Dispokredit regelmäßig bis zum Anschlag ausnutzt, wird sich früher oder später die Sinnfrage stellen.

Zeitrahmen offen

Dass es in IT-Projekten immer mal wieder zu unvorhergesehenen Schwierigkeiten kommt und Dinge länger als geplant dauern, ist jetzt nichts Ungewöhnliches. Wenn man aber quasi in der letzten Minute einen Launch abbläst und sich nicht einmal darauf festlegen mag, ob dieser im nächsten Monat oder nächsten Quartal nachgeholt werden wird, dann scheint es sich sicherlich nicht nur um Finetuning zu handeln, was noch fehlt.

Es stünde den Verantwortlichen gut zu Gesicht, wenn sie sämtliche Möglichkeiten des NDA mit Apple maximal ausreizen und für Klarheit sorgen würden. Weder die einzelnen Mitgliedsbanken, noch Apple dürften ein Interesse an frustrierten Kundinnen und Kunden haben.